Blickpunkt Nottuln
16.03.2026
Blickpunkt Nottuln

Libellen im Garten

Leider werden auch sie weniger

Auf dem Bild links oben sehen Sie eine herrliche Vierflecklibelle, die ich im Jahre 2018 noch fotografieren durfte. In diesem Jahr fällt auf, dass offensichtlich Libellen zumindest im Nonnenbachtal, aber auch in unserem Garten weniger geworden sind. Eigentlich waren sie bisher in ihrem Jagdgebiet über unserem Gartenteich in großer Anzahl zu beobachten.

Blaugrüne Mosaikjungfern, Plattbauchlibellen, blutrote Heidelibellen und Hufeisen-Azurjungfern gaben sich hier sozusagen die Klinke in die Hand. Jetzt sieht es - ähnlich wie bei den vielen Schmetterlingsarten und anderen Insekten - ziemlich mau aus. Schließlich hängt alles in der Natur irgendwie zusammen, denn die Insekten haben bis heute sage und schreibe um 75 % abgenommen. Folglich fehlen den Libellen auch die Nahrungsmittel.

In den vergangenen Jahren durften wir die erfolgreiche Jagd der Libellen oft beobachten. So ist uns ein Vorfall besonders in Erinnerung geblieben. Wir saßen wieder einmal in unserem Strandkorb am Gartenteich, als uns eine blaugrüne Mosaikjungfer auffiel, die mit einer  Geschwindigkeit bis zu 50 km/h kreuz und quer über den Gartenteich jagte. Die kleine Flugkünstlerin drehte Loopings, sodass man ihr kaum mit den Augen folgen konnte - jeder Hubschrauberpilot wäre vor Neid erblasst. 

Doch was jetzt geschah, erlebt man sicherlich nur einmal in seinem Leben. Urplötzlich ergriff die Mosaikjungfer mit ihren scharfen Beißwerkzeugen einen Kohlweißling, der ahnungslos über den Teich flog. Eine fette Beute, doch ihre Freude währte nur kurz, denn nur den Bruchteil einer Sekunde später ergriff einer unserer Teichfrösche die Libelle samt Schmetterling im Sprung. Am Teichrand hatte er auf der Lauer gelegen. Zwei auf einen Schlag, dachte sich wohl der Frosch, denn der Schmetterling war inklusive.
Bedauerlicherweise ging alles so unfassbar zügig, sodass wir keine Chance hatten, diesen Beutezug abzulichten.

Libellen sind für den Menschen ungefährlich

Tatsächlich sind Libellen für den Menschen ungefährlich, was natürlich für ihre Beutetiere keinesfalls zutrifft, denn alle Libellen leben räuberisch. Das beginnt bereits im Larvenstadium unter Wasser, das bis zu drei Jahren andauern kann. Ernähren sie sich zunächst von Einzellern und Zooplankton, so lauern sie später Kleinkrebsen, Würmern und Wasserinsekten auf. Selbst vor Kaulquappen und Jungfischen machen sie nicht Halt, mit ihrer Fangmaske können sie blitzschnell zuschnappen.
Während dieser Zeit häutet sich die Libellenlarve je nach Art 10 bis zu 15 Mal und wächst hierbei immer um ein kleines Stück. Dann klettert sie an einem Stängel aus dem Wasser hervor, schlüpft aus ihrer Hülle und lässt sich in der Sonne trocknen. Ihre filigranen Flügel härten dabei völlig aus, nun ist sie zum ersten Mal flugfähig.

Libellen haben übrigens Facettenaugen, die aus bis zu 30.000 Einzelaugen bestehen, die eine sechseckige Struktur und einen Durchmesser von nur vier hundertstel Millimeter haben. Sie ermöglichen den Libellen eine optimale räumliche Orientierung und ein scharfes Bewegungssehen. Sie können gegenüber dem menschlichen Auge Bewegungen im hellen Licht rund vier- bis sechsmal schneller erfassen. Zusätzlich können sie ihren Kopf vollständig drehen, sodass kaum eine Chance besteht, sich ihnen unbemerkt zu nähern. Diese kleinen Geschöpfe sind wirklich ein fantastisches Kunstwerk. 

Wenn Sie Libellen etwas Gutes tun möchten, dann legen Sie bitte ebenfalls einen Teich in Ihrem Garten an, indem sie ihre Larven absetzen und an dessen Oberfläche sie jagen können. Und vergessen Sie nicht zum Beobachten, eine Sitzgelegenheit am Teich einzurichten.
Damit machen Sie sich ebenfalls eine große Freude und erschließen sich eine völlig neue Welt, denn Wasser ist Leben für alle Lebewesen! Auch die Vögel werden es Ihnen mit ihrer Anwesenheit danken. Unterlassen Sie es, bleibt Ihnen vieles verborgen.

Wir hoffen, Sie hatten auch ein wenig Spaß beim Lesen und Schauen. Übrigens kann jede oder jeder etwas in seiner Region für die Natur tun - versuchen Sie es, wenn Sie es nicht ohnehin schon tun.

Beste Grüße und bleiben oder werden Sie gesund!

Die Redaktion

In unseren Garten eingeflogen
Vor ungefähr zehn Jahren entdeckten wir unsere erste kleine Orchidee im Garten, das gefleckte Knabenkraut, wie wir später feststellten. Wir waren sehr überrascht, hatten wir doch in den letzten 25 Jahren selbst im eng benachbarten und in Hauptwindrichtung liegendem Naturschutzgebiet Nonnenbachtal keine einzige Pflanze gesehen, es gibt hier einfach kein geflecktes Knabenkraut. Wo kam sie also her, wir wissen es bis heute nicht. Außerdem benötigt die Pflanze spezielle Wurzelpilze (endotrophe Mykorrhiza), mit deren Hilfe sie sich insbesondere im Jugendstadium ernährt. 

Da stand sie nun, unser einziges Exemplar zartblühend am Rand unseres großen Teiches und wir fragten uns, ob sie den Winter überstehen würde. Gespannt warteten wir im nächsten Frühjahr und waren baff erstaunt. Unsere Orchidee hatte nicht nur den Winter überstanden, sondern war auch viel kräftiger geworden. Und so ganz nebenbei hatte sie sich in ihrem direkten Umfeld auch noch vermehrt. Die Population war auf fünf weitere kleine Pflanzen angewachsen. Offensichtlich hatte das gefleckte Knabenkraut ideale Lebensbedingen in den Feuchtzonen am Teichrand unseres Gartens gefunden. In diesem Jahr haben wir mittlerweile rund 70 Pflanzen gezählt, von denen über die Hälfte kräftig blüht. Es ist eine wahre Pracht, die auch unsere Gäste immer wieder gebührend bewundern.
Vielleicht haben Sie ja eines Tages auch so viel Glück und der Orchideensamen fliegt vom Winde getragen zu Ihnen in den Garten und findet dort hoffentlich einen idealen Standort. Um Ihnen die Bestimmung dieser Orchidee zu erleichtern, fügen wir im Folgenden eine kurze Beschreibung der Pflanze ein.

Pflanzenbestimmung
Das gefleckte Knabenkraut ist an seinen lanzettlich bis linealischen Blättern erkennbar, die etwa 7 bis 15 mm breit und vorne spitz sind. Auf der Blattoberseite der sechs bis zehn Blätter sind charakteristische, meist runde Flecken zu finden, die nur äußerst selten fehlen können. Die Pflanze wird bis zu 60 cm hoch und blüht zwischen Mai und August. Die Blüten sind pink bis violett gefärbt, sie besitzen häufiger auch kleinere Weißanteile. Nach der Blüte werden Kapselfrüchte ausgebildet, die sage und schreibe bis zu 6000 Samen enthalten können. Die Art weist wie viele Knabenkräuter eine große Variationsbreite der Merkmale auf, sodass die sichere Bestimmung schwierig ist. Die Flecken auf den Blättern verschwinden übrigens beim Trocknen auch noch.

Ein ausdauernder Geophyt
Diese Orchidee ist ein ausdauernder Geophyt, der mithilfe seiner Knollenwurzel den Winter oder auch Trockenzeiten überdauert. Bestäubt wird sie durch zahlreiche Insektenarten, vor allem durch Zwei- oder Hautflügler und Käfer. Bienen besuchen diese Blüten ebenfalls sehr oft, können sie aber leider nicht bestäuben. Die Ausbreitung der Kapselfrüchte erfolgt eigenständig (Autochorie). 

Heilpflanze steht unter strengem Naturschutz
Bereits in der Antike war das Knabenkraut als Heilpflanze für allerlei Beschwerden und Stärkungsmittel bekannt. Noch um 1900 zählte es zu den häufigsten Orchideenarten in Deutschland, die wild wuchsen. Leider ging das Vorkommen des Knabenkrautes aufgrund der Zerstörung seines Lebensraumes, der nährstoffarmen Wiesen, in den letzten Jahrzehnten stark zurück. Heute steht das Knabenkraut unter strengem Naturschutz, um es vor dem gänzlichen Aussterben zu bewahren.

Knabenkraut eines Tages im Nonnenbachtal?
Wir haben die Hoffnung nicht verloren, dass eines Tages durch Nährstoffverarmung der Wiesen im Naturschutzgebiet Nonnenbachtal auch das Knabenkraut hier ansässig werden kann. Allerdings wird dann der erste Wiesenschnitt zu einem späteren Zeitpunkt anberaumt werden müssen.

Der Buchfink (Fringilla coelebs) ist ein bildhübscher Vertreter seiner Gattung
Bevor man den Buchfink sieht, hört man ihn meist schon laut zwitschern. Sein unverkennbarer Ruf beginnt mit einem harten Finkenschlag, dem Trillern und endet mit einem sogenannten Überschlag. Das Ganze wird meist laut schmetternd vorgetragen.
Im Nachfolgenden wollen wir Ihnen den zusammen mit der Amsel häufigsten Singvogel in Deutschland gerne einmal beschreiben, denn immerhin existieren hier noch über acht Millionen Brutpaare. Lernen Sie den interessanten Vogel erst einmal etwas näher kennen, bevor wir Ihnen unser Erlebnis mit der neu gegründeten Buchfinkenfamilie in unserem Garten in der Bildergalerie vorstellen. Wir hoffen, dass für die Kleinen ein glückliches Leben beginnt und sie uns wie schon seit Jahrzehnten ihre Vorfahren in unserem Garten besuchen und nisten werden.

Erscheinungsbild
Die männlichen Buchfinken erscheinen durch ihr prachtvolles Gefieder besonders schön. Beeindruckend ist die rotbraun gefärbte Brust, die sich in der Balzzeit fast weinrot einfärbt, wie auf dem Bild links zu sehen ist. Der Scheitel ist in der warmen Jahreszeit intensiv blaugrau gefärbt. Das Weibchen sieht mit ihrem graubraunen Gefieder mit leichtem Grünstich eher unauffällig aus. Was beide Geschlechter aufweisen, ist ein auffälliger weißer Schulterfleck sowie weiße Flügelbinden und äußere Steuerfedern. Jungvögel ähneln übrigens dem Erscheinungsbild der Weibchen. Was ihr Gewicht betrifft, sind ausgewachsene Buchfinken Leichtgewichte von gerade einmal 18 bis 25 Gramm bei einer Körpergröße von 14 bis 18 cm.

Brutverhalten der Buchfinken
Die Buchfinken brüten in Laub- oder Mischwäldern und Hecken. Die Brutzeit beginnt in der Regel erst im April, wobei bis zu zwei Jahresbruten stattfinden. Das Weibchen übernimmt den Bau des dickwandigen, halbkugelförmigen Nestes alleine und legt bis zu sechs hellbraune bis weiß-bläuliche Eier mit dunkelbraunen Streifen und Flecken hinein. Nach etwa 14 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen und werden von beiden Elternteilen gefüttert. Nachdem weitere 14 Tage vergangen sind, verlassen die Jungvögel ihr Nest und werden noch 14 bis 35 weitere Tage von ihren Eltern mit Futter versorgt, danach sind sie auf sich alleine gestellt.

Nahrung
Natürlich hält sich der Buchfink wie sein Name schon verrät, gerne in Buchenwäldern auf und frisst die dort reichlich vorhandenen Bucheckern. Aufgrund seiner Schnabelform ist er ein Körnerfresser wie alle anderen Finkenarten auch, zum Beispiel Bergfink, Grünfink, Distelfink oder Gimpel. Insofern fressen sie allerlei Sämereien, aber auch Beeren und Insekten gehören zu ihrem Speiseplan. Ihre Nestlinge füttern die Buchfinken größtenteils mit Insektenlarven und Raupen.

Natürliche Fressfeinde
Dazu zählen wie bei fast allen Singvögeln Falken, Katzen, Eichhörnchen, Elstern, Marder und Rabenvögel.

Die größte Gefahr
Die größte Gefahr geht natürlich wieder einmal vom Menschen aus! Durch die Abholzung der Wälder zerstört er unter anderem auch den Lebensraum der Buchfinken, wie wir erst kürzlich selbst im Naturschutzgebiet Nonnenbachtal erleben mussten. Trotz massiver Proteste an den Eigentümer des Kirchwaldes, die katholische Kirche Bistum Münster (siehe mehrere Artikel im NB) wurde das klimaschädliche Abholzen des alten Buchenkirchwaldes in der Klimaschutzgemeinde Nottuln leider durchgeführt.

Eine Königsfamilie verlässt ihr heimisches Nest und fliegt in die Freiheit

Es ist jedes Jahr wieder ein wunderbares Ereignis, den ersten Ausflug unserer Zaunkönigsfamilie erleben zu dürfen. Wir saßen gerade in unserer kleinen Laube bei Tee und Kuchen. Wie große Hummeln schwirrten die vier kleinen Brummer durch unseren Garten und suchen sich erst einmal einen sicheren Platz, und das in unserer Nähe. Brummer Nummer eins setzte sich auf eine Sandsteinplatte, Nummer zwei flog in eine Laterne, Nummer drei "klebte" an der Hauswand und Nummer vier nahm ganz plötzlich auf meinem Knie Platz.

Ich war überrascht, doch hatte ich mir angewöhnt, selbst in unserem Garten die Fotokamera möglichst immer am Mann zu haben, so auch jetzt. Schnell lichtete ich die kleinen Brummer ab, dann befreite ich die Nummer zwei aus der Laterne, Nummer vier der kleine Kniefratz, ließ sich leider nicht fotografieren. 

Vater Zaunkönig saß indessen ganz cool am Kirschbaumstamm und schaute dem eifrigen Treiben seiner wilden Schützlinge zu. Und dann riss die gesamte Kinderschar wie auf Kommando plötzlich ihre Schnäbel auf und forderte vehement Futter von ihren Eltern. Die ließen ihre kleinen Brummer nicht lange warten und schafften eifrig Raupen und andere Insekten herbei.

Nahrung und Lebensraum
Wie andere Vögel lebt der Zaunkönig gern in unserem Garten. Hier hat er alles, was er braucht, Hecken, reichlich Unterholz und Büsche, Natursteinmauern mit Nischen und Spalten sowie Wasser in Form von Wasserläufen und einem großen Teich. Die Winzlinge huschen wie kleine Mäuse in den unteren Gefilden und suchen nach Nahrung wie Raupen, Asseln, Tausendfüßlern und Käfern. Im Winter fressen sie auch Samen - also Stauden im Herbst möglichst nicht abschneiden, sondern stehen lassen. Übrigens konnten wir beobachten, dass Zaunkönige auch bei uns überwintern. Da werden die kleinen Einzelgänger plötzlich gesellig und kuscheln sich bis zu 20 an der Zahl in Baumhöhlen oder Nistkästen. Nach dem Motto "Gemeinsam überleben" wärmen sie sich gegenseitig. Säubern Sie also im Spätherbst bitte ihre Nistkästen und befreien sie von Ungeziefer.

Nest und Brut
Der Zaunkönig baut im Frühjahr wunderschöne halbkugelige Nester in unseren Garten, meist im unteren Bereich einer mit Efeu bewachsene Mauer. Das Innere polstert er mit Moss, Federn und Haaren sorgfältig aus. Zweimal im Jahr legt das Weibchen zwischen vier und sieben Eiern in eines der Nester, das sie sich selbst aussuchen darf. Nach einer Brutzeit von 14 bis 16 Tagen schlüpfen die Jungen. Während sich das Weibchen in dieser Zeit dauerhaft im Nest aufhält, zieht sich das Männchen nur nachts in sein Schlafnest zurück.

Lauter und wunderbarer Gesang
Jedes Mal wenn der Zaunkönig seine Lieder schmettert, sind wir beeindruckt. Dieser kleine Brummer gibt einfach alles, selbst in einer Entfernung von 500 Metern ist er noch zu hören. Woher er den dafür erforderlichen Resonanzboden hernimmt, ist uns aufgrund seiner Größe von 10 Zentimetern und seines Gewichtes von 10 Gramm ein Rätsel. Kommt man seinem Nest allerdings zu nahe, dann wandelt sich sein so wunderschöner Gesang in lautes Schimpfen und Zetern um. Ein kleiner, aber sehr mutiger Kerl, eben ein König!

Woher hat er seine Krone, seinen Namen?
Eigentlich ganz simpel, seinen Namen hat der Winzling erhalten, weil er fast durch jeden engen Zaun schlüpfen kann.
Natürlich gibt es auch eine andere Version, die ich Ihnen frei nach einem Märchen der Gebrüder Grimm in einer von mir verkürzten und angepassten Form wiedergeben möchte:

Der Zaunkönig (Märchen)

Früher, in den alten Zeiten, da hatte jeder Klang noch Sinn und Bedeutung. Die Vögel hatten sogar ihre eigene Sprache, die jedermann verstand. Jetzt klingt es nur noch wie ein Zwitschern, Kreischen und Pfeifen und nur bei einigen Vögeln wie Musik.

Eines Tages kam es den Vögeln in den Sinn, nicht länger ohne Herrn zu sein, einer von Ihnen sollte zu ihrem König gewählt werden. So kamen sie an einem schönen Maimorgen aus allen Wäldern und Feldern zusammen, um die Sache zu besprechen - auch Adler, Buchfink, Eule, Krähe, Lerche und Sperling waren dabei. Selbst ein klitzekleiner Vogel, der noch keinen Namen hatte, mischte sich unter die Vogelschar. Zusammen fassten sie den Beschluss, dass derjenige König sein sollte, der am höchsten fliegen könnte.
Auf ein Zeichen hin erhob sich noch am gleichen Morgen die ganze Vogelschar in die Lüfte empor. Doch die kleinen Vögel blieben bald zurück und fielen wieder auf die Erde, die größeren hielten es jedoch länger aus. Dem Adler konnte es aber niemand gleichtun, der stieg so hoch, dass er der Sonne hätte die Augen aushacken können. Als er sich wieder herabließ, riefen ihm alle Vögel sofort zu: "Du musst unser König sein, keiner ist höher geflogen als du.“

"Ausgenommen ick" schrie jedoch der kleine Kerl ohne Namen, der sich in die Brustfedern des Adlers verkrochen hatte. Als er ganz ohne eigene Müh oben angekommen war, stieg er aus dem Gefieder des Adlers auf und so hoch, dass er Gott auf seinem Stuhle sitzen sehen konnte. Dort legte er seine Flügel zusammen, sank herab und rief auf der Erde angekommen mit feiner aber durchdringender Stimme: "König bün ick! König bün ick!"

"Du unser König?" schrien die Vögel zornig. "Nur durch List hast du es so weit gebracht." Sie machten eine andere Bedingung, der sollte ihr König sein, der am tiefsten in die Erde fallen könnte. Doch auch diese Aufgabe löste der Winzling am besten, indem er in ein Mauseloch schlüpfte und von dort aus rief: "König bün ick! König bün ick!"
"Du unser König?" riefen die Vögel noch zorniger. "Meinst du, deine Listen sollten gelten?" Sie beschlossen, ihn in seinem Mauseloch gefangen zu halten und auszuhungern. Die Eule ward als Wache davor gestellt; sie sollte den Schelm nicht herauslassen, wenn ihr das eigene Leben lieb wäre. Doch es dauerte nicht lange und die Eule schlief ein. Der Kleine merkte das sehr bald und schlüpfte hinaus in die Freiheit.

Von der Zeit an darf sich die Eule nicht mehr am Tage sehen lassen, sonst sind alle andern Vögel hinter ihr her und zerzausen ihr das Federkleid. So fliegt sie nur noch zur Nachtzeit aus, hasst aber und verfolgt die Mäuse, weil sie solch böse Löcher machen.

Auch der kleine Vogel lässt sich nicht gerne sehen, fürchtet er doch, es ginge ihm an den Kragen. Lieber fliegt er in Zäunen und Büschen herum, und wenn er ganz sicher ist, ruft er zuweilen: "König bün ick, König bün ick!“
Und deshalb nennen ihn aus Spott alle andern Vögel auch heute noch: „Zaunkönig“.

Die Zukunft seiner Kinder holzt man nicht ab!  (Mein Freund, der Baum, Teil 6)

Liebe Leserinnen und Leser!

In einer Kurzfassung stellen wir Ihnen zusammenfassend dar, warum die Abholzung von über 100 bis zu 220 Jahre alten Buchen im Kirchwald der katholischen Kirchengemeinde unangemessen und klimaschädlich ist, war und bleibt.

Hier die maßgeblichen Gründe:

1. In Zeiten der akuten Klimakrise, in der wir mit Starkregenereignissen, Überschwemmungen und sogar Tornados kämpfen, ist es besonders klimaschädlich den alten Buchenbestand abzuholzen.

2. Nottuln ist Klimaschutzschutzgemeinde und muss daher vorbildmäßig und beispielhaft vorangehen.

3. Der Kirchwald liegt im Naturschutzgebiet Nonnenbach/ Nottulner Berg, das gleichzeitig Naherholungsgebiet ist. Wir können nicht solche Gebiete mit einem besonderen Schutzfaktor ausweisen und ihn anschließend negieren. Ein alter Laubwald wie der Kirchwald besteht aus ganz vielen effektiven Klimaschützern und muss insbesondere in einem Naturschutzgebiet umwelt- und klimafreundlich behandelt werden und darf keinesfalls abgeholzt werden.
Die Zukunft seiner Kinder holzt man nicht ab!

4. Der alte Buchen-Kirchwald ist eine riesige natürliche Sauerstoff-Produktionsanlage! Sie erzeugt täglich für über 1000 Menschen Sauerstoff. Diese positive klimaförderliche Funktion fehlt jetzt.

5. Der alte Buchen-Kirchwald ist ein riesiger CO2-Speicher! Den Klimakiller Kohlendioxid (Kohlenstoffdioxid) speichern die alten Buchen aufgrund ihrer hohen Holzdichte besonders gut. Die Speichermenge ist also abhängig von der Holzmasse und der Holzdichte. Das CO2 wird im Baumstamm, Ästen, Wurzel und auch im Humus gespeichert. Auch das Alter der Bäume spielt eine Rolle, so speichern junge Wälder weniger CO2 als alte Wälder. Ein Beispiel: Eine 100 Jahre alte Buche speichert aufgrund ihrer hohen Holzdichte 3,5 Tonnen CO2. Im gefällten Kirchwald mit bis zu 220 Jahre alten Buchen wurden bisher rund 500 bis 600 Tonnen CO2 gespeichert. Damit ist jetzt Schluss in der Klimaschutzgemeinde Nottuln.

6. Bevor ein neu angepflanzter Wald, diese für das Klima äußerst wichtige Schutzfunktion so wahrnehmen kann, vergehen rund 100 bis 150 Jahre. In dieser Zeit fehlt der alte Kirchwald mit seiner klimaschützenden Funktion!

7. Nottuln hat zu wenig Waldbestand! Aber die Bäume, der Wald sind ein entscheidendes Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. Betrachtet man die Wald- und Gehölzfläche in Nottuln, so beträgt sie gerade einmal 12,5 %, das sind 1067 Hektar (Landesdatenbank, bezogen auf den 31.12.2019). Das ist im Vergleich zur Waldfläche in Nordrhein-Westfalen nur sehr gering, denn die beträgt mit 935.000 Hektar immerhin 27 %. Zieht man in Nottuln von den 12,5 % noch die Gehölze z. B. Hecken etc. ab, so liegt der Waldanteil sicherlich bei 10 %, das ist verschwindend wenig. Im Gegensatz dazu liegt der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Nottuln bei 70,9 %.
Außerdem wurden in den letzten Jahren im Naturschutzgebiet Nonnenbach/ Nottulner Berg und darüber hinaus fast sämtliche Nadelbäume gefällt. Die Trockenperioden, eine Folge des Klimawandels und der Borkenkäfer haben zugeschlagen. Nur ein Teil wurde bisher wieder aufgeforstet. Das verringert noch einmal den Waldanteil in Nottuln, der wohl jetzt unter 10 % liegt.

   Im Übrigen ändert die Verwertung von einigen Holzstämmen in der hiesigen Möbelproduktion nichts an der dargestellten Situation und Beurteilung. Es ist schade, dass die Befürworter der Abholzung mit dem Argument „Wir wollen den Wald klimafest machen“ immer wieder versuchen, ihr Handeln zu rechtfertigen. Von der katholischen Kirche haben wir eine andere vorbildhafte, klimaschützende und klimafördernde Haltung und Entscheidung erwartet, predigt sie doch immer wieder von der Bewahrung der Schöpfung. Leider hat unsere Intervention beim Bischof Dr. Felix Genn und seinem Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp  zu keinem Erfolg geführt. Schade, denn Einsicht ist der erste Weg, etwas zu verändern.

Äußerst zurückhaltend reagiert bisher auch die Gemeindeverwaltung Nottuln, indem sie sich überhaupt nicht öffentlich zur Klimaschutzfunktion des abgeholzten Kirchenwaldes äußert. Das ist umso unverständlicher, weil unsere Gemeinde seit Jahren den Titel Klimaschutzgemeinde trägt. 

Letztlich ist es an der Zeit, dass alle Verantwortlichen endlich ihre Fehler einsehen, öffentlich bekennen und die Bevölkerung so eine Handlungsweise nicht mehr duldet.
Im regionalen Teil der Westfälischen Nachrichten (WN) wäre diesbezüglich eine kritische, ausgewogene, faire Berichterstattung, die alle Aspekte ausreichend würdigt und gegenüberstellt, wünschenswert und im Sinne der Klimaerhaltung und Klimaverbesserung dringend erforderlich. Nur dann hat die Veränderung zu einem positiven Klimawandel eine reale Chance, denn der Wald spielt dabei, wie bereits angemerkt, eine entscheidende Rolle (Weitere Einzelheiten und Fotografien können Sie in unseren bisherigen vier Artikeln im Nottulner Blickpunkt einsehen).

Abschließend sei angemerkt, dass wir am 27. Mai aufgrund ihrer unausgewogenen Berichterstattung zum Thema "Kirchwald" den Westfälischen Nachrichten einen Leserbrief geschickt haben. Dieser enthält die Bitte um zeitnahe Veröffentlichung zu ihrem Artikel "Möbel aus dem Kirchwald" vom 25. Mai 2022. Dort präsentieren die WN die Befürworter der Abholzung des Buchenkirchwaldes stolz posierend auf einer erlegten Buche sitzend. Wir finden das unpassend und geschmacklos! Unser Leserbrief trägt übrigens die Überschrift "Berichterstattung der WN zu einseitig" und wurde bis heute (4. Juni), also innerhalb von 10 Tagen danach, nicht veröffentlicht. Eine diesbezügliche Nachricht von der WN haben wir auch nicht erhalten, obwohl wir seit Jahrzehnten die WN abonniert haben. 

Nachsatz: Der Leserbrief vom 25. Mai wurde trotz Bitte um zeitnahe Veröffentlichung von den WN bis heute (21. Juli 2022) immer noch nicht veröffentlicht!

Vorsicht, die Kitze werden geboren!
Wie jedes Jahr hat jetzt für die Ricken die Zeit begonnen, ihre Kitze zu setzen. Mitunter passiert das schon im März und kann bis Anfang September andauern. Das Gros der Kitze mit rund 96 Prozent wird aber in den Monaten Mai und Juni geboren. Die Geburt selbst dauert vier bis fünf Stunden. Danach säubert die Ricke sorgfältig den Geburtsplatz. Die Kitze selbst sind vollkommen geruchslos und somit nur schwer für die Prädatoren, zum Beispiel den Fuchs auszumachen.

Für den Menschen heißt das im Naturschutzgebiet (NSG) Nonnenbach/ Nottulner Berg besondere Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme zu wahren, das gilt natürlich auch für Hundeführer. Wir selbst haben auch einen Hund, einen Jack Russel-Terrier. Das Wort Terrier stammt übrigens von dem lateinischen Wort Terra ab und bedeutet Erde. Und das ist unser Familienhund Sir Trusty wirklich ein "Erdhund", der liebend gerne nach Mäusen buddelt, obwohl er eigentlich für den Fuchsbau gezüchtet ist. Doch sein "Herrchen" ist kein Jäger und wenn, dann nur mit der Fotokamera.

Trastl (Spitzname), der mich täglich durchs Nonnenbachtal begleitet, hat schon als kleiner Welpe gelernt, bei dem Kommando "Steh" dort zu verharren, wo er sich gerade befindet. Das funktioniert bis heute sehr gut, auch wenn sich ein Reh oder Hase auf der Wiese zeigt. Und nur dann hatte und habe ich die Möglichkeit, diese bildhübschen Wildtiere in Ruhe zu beobachten und eindrucksvoll abzulichten, wie die vielen Fotografien über Jahre in den Westfälischen Nachrichten und jetzt hier im Nottulner Blickpunkt zeigen.

Besondere Rücksichtnahme in der Setzzeit
Leider ist im NSG Nonnenbach/ Nottulner Berg mitunter zu beobachten, dass Hunde - teilweise sogar mit ihrem Herrchen oder Frauchen - tief in Gebiete hineinlaufen, von denen eigentlich jeder weiß, dass Rehe und Hasen sowie ihr Nachwuchs ihr zu Hause haben. Das gilt umso mehr für die Bereiche, die hinter den von den Jägern geschaffenen grünen, noch niedrigen Hecken liegen. Dort haben Hunde natürlich überhaupt nichts zu suchen und schon gar nicht zur Geburtszeit der jungen Hasen und Kitze - diese Wildtiere brauchen ungestörte Aufenthalts- und Rückzugsräume!

Die Natur wird vernagelt
Der Eigentümer, die Gemeinde Nottuln, die untere Naturschutzbehörde beim Landrat Coesfeld und das Naturschutzzentrum Kreis COE e. V. will aufgrund dessen und damit niemand auf die Flockenblume oder die Margerite tritt, vom Familienwald angefangen den Wiesenbereich linker Hand in südlicher Richtung bis zur Umgehungsstraße mit einem Handlaufzaun abgrenzen lassen (siehe Bild links unten). Das wird natürlich das Landschaftsbild zum Negativen verändern und ist nach Meinung der Redaktion völlig unnötig, wenn alle Hundebesitzer und Personen sich vernünftig und rücksichtsvoll verhalten würden.
Gerade im Naherholungsgebiet Nonnenbachtal ist der freie Blick über die leicht hügeligen Wiesen auf St. Martinus - ohne störende Zaunelemente - äußerst reizvoll und Balsam für die Seele Nottulner Bürger (siehe Bild links unten).

Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren!
Zudem muss solch eine Maßnahme unseres Erachtens auch angemessen sein, das heißt die Verhältnismäßigkeit der Mittel muss gegeben sein. Bei der Beurteilung sind natürlich auch die Kosten für die Zaunerrichtung mit einzubeziehen. Und natürlich ist auch die Erforderlichkeit der Maßnahme zu prüfen. Das heißt im Juristendeutsch: "Die Maßnahme ist erforderlich, wenn es kein milderes Mittel mit dem gleichen Erfolg und vergleichbarem oder sogar geringerem Aufwand gibt".
Insofern stellt sich selbstverständlich die Frage, ob nicht ein paar aufgestellte kostengünstigere und ansprechende Hinweisschilder den gleichen oder sogar besseren Erfolg versprechen, zumal sie dann auch in anderen Bereichen aufgestellt werden könnten. Sonst sind wohl leider weitere Zäune zu erwarten und eines Tages ist das ganze Nonnenbachtal eingezäunt. Wer will das schon, denn schließlich ist gerade das Nonnenbachtal - nicht einmal fünf Minuten Gehweg vom Dorfkern weg - das Naherholungsgebiet für die Nottulner Bürger.

... damit die Forelle nicht über den Zaun springt
(Zitat eines Leserbriefschreibers in der WN)

Es heißt ja immer wäret den Anfängen! Doch angefangen hat alles vor Jahren mit der Errichtung des Holzzaunes am Nonnenbach, damit die Forelle nicht über den Zaun springt. Leider hat sie es wohl bisher nicht versucht, beziehungsweise hat es noch niemand gesehen. Aber Scherz beiseite, wichtig ist es natürlich, die Natur zu schützen, zu bewahren und zu fördern, gerade auch in Zeiten des Klimawandels. Dazu gibt es im Naturschutzgebiet Nonnenbachtal/ Nottulner Berg leider schon schlechte Beispiele wie die vor Kurzem in Zeiten der Klimakrise durchgeführte massive Teilabholzung des Kirchenwaldes zeigt, übrigens mit Befürwortung der unteren Landschaftsschutz-Behörde beim Landrat Coesfeld (siehe Artikel im NB, wir berichteten).

Regenrückhaltebecken eingezäunt
Fortgesetzt haben sich die Einzäunungen bei dem im Zuge des Umgehungsstraßenbaus neu geschaffenen Regenrückhaltebecken. Dieses wurde auf Veranlassung der Gemeindeverwaltung mit einem Wildschutzzaun eingezäunt, sodass die Rehe hier nicht mehr trinken können, insbesondere auch dann nicht, wenn der Nonnenbach trockengefallen ist (siehe Bild 6 mit Textlegende in der Bildergalerie unten). Früher haben sie das jahrzehntelang direkt am Wohngebiet Bagno liegenden, nicht eingezäunten Bagnoteich getan, der wurde leider beseitigt (siehe Bilder 3, 4 und 5 mit Textlegenden in der Bildergalerie unten).

Kinder rechtzeitig für die Natur sensibilisieren ist viel wichtiger und nutzbringender als Zäune zu bauen
Zu begrüßen ist es, dass sich schon seit Jahren Kindergartengruppen im NSG Nonnenbach/ Nottulner Berg regelmäßig einfinden, denn wer die Natur nicht kennt, der wird sie später auch nicht schützen. Eine fachkundige Aufsicht, die begleitend den Kindern die dort vorhandenen Pflanzen und Tiere und ihre Funktion und den Sinn eines Naturschutzgebietes näher bringt, ist absolut förderlich und nutzbringender als Zäune zu bauen. Vielleicht kann auch das Naturschutzzentrum aus Darup den Kindergärten und auch den Grundschulen von Fall zu Fall eine fachkundige Führung bzw. Begleitung anbieten. Dadurch könnte präventiv daraufhin gewirkt werden, dass die Kinder später nicht unachtsam oder rücksichtslos das Naturschutzgebiet betreten.

Und ganz ehrlich, wenn die Kinder nicht rechtzeitig gelernt haben, rücksichtsvoll mit der Natur umzugehen, dann werden sie später auch keine Handlaufzäune am Betreten der geschützten Bereiche hindern. Denn auch hier gilt: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!" (Oder ganz korrekt gesagt: "Was Hänschen nicht lernt, stellt für Hans eine viel größere Herausforderung dar und kann, wenn überhaupt, nur mit viel mehr Aufwand zum gewünschten Lernerfolg führen.")

Stand 20.05.2022

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