Blickpunkt Nottuln
12.06.2024
Blickpunkt Nottuln

Spätromanische Klosterkirche mit wunderschöner Innenausstattung

Im September 2023 nahm ich mit anderen ehrenamtlichen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft "Klosterlandschaft Westfalen Lippe" am diesjährigen Herbsttreffen teil, das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im ehemaligen Kloster Marienfeld in Harsewinkel-Marienfeld veranstaltete. Das Bestreben des LWL ist es, zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft, die bestehenden Klosteranlagen in Westfalen-Lippe wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und somit auch für den Erhalt dieses wertvollen Kulturgutes zu werben. Dazu soll auch dieser Artikel beitragen.

Der NB würde sich freuen, wenn aufgrund dieses Artikels möglichst viele Personen diese wundervolle Klosteranlage aufsuchen würden. Andererseits wollen wir auch die Menschen, die aufgrund ihrer Bewegungseinschränkung oder anderer gesundheitlicher Beeinträchtigungen diesen Ort nicht mehr aufsuchen können, durch das Betrachten der Bilder und das Lesen der Texte ebenfalls teilhaben lassen an diesem wunderbaren Erlebnis, welches sich uns an diesem Tage erschloss.

Als ich nach dem ersten Teil der Veranstaltung die ehemalige Klosterkirche betrat, verschlug es mir erst einmal den Atem. So eine schöne, reichhaltige, harmonisch aufeinander abgestimmte Innenausstattung habe ich selten gesehen. Ihnen wird es sicherlich nicht anders ergehen, wenn Sie die Bilder, insbesondere der sich dem Artikel anschließenden Bildergalerie betrachten.
Was mich sehr beeindruckte war das  riesige Orgelprospekt, die barocke Kanzel und das hochgotische Chorgestühl, das alles farblich aufeinander abgestimmt und mit reichhaltigen Schnitzereien versehen ist. Doch auch auf dem weiteren Rundgang kam ich aus dem Staunen nicht heraus, selbst die Beichtstühle erhoben den Anspruch auf ein einmaliges Kunstwerk. Von den unterschiedlichen kunstvoll gestalteten Altarretabeln ganz zu schweigen. Die Kirche, die zum Bistum Münster gehört und sich an ihrem östlichen Rand befindet, ist heute im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen und wird gemäß einer Stiftung von 1804 als Pfarrkirche genutzt.

Kleiner geschichtlicher Diskurs
Die Geschichte der Zisterzienserabtei hat immerhin eine Zeitdauer von 617 Jahren, die im Jahre 1185 begann und im März 1803 ein jähes Ende fand. Der letzte Abt Petrus von Hatzfeld konnte die drohende Aufhebung des wirtschaftlich gesunden Klosters durch den preußischen Staat nicht verhindern. Der Konvent wurde aufgelöst, die Mönche bekamen eine jährliche Pension von 600 Gulden und die säkularisierte Klosteranlage wurde in eine Rentei umgewandelt.

Auch danach hatte die ehemalige Zisterzienserabtei eine bewegte Geschichte, von der Einrichtung einer Irrenanstalt, aus der nichts wurde, bis zum Verkauf des Domänengut Marienfeld - außer der Abteikirche - durch den preußischen Staat an den Tuchkaufmann Bernhard Gustav Tenge. Dem fiel nichts Besseres ein, als die maroden Klausurgebäude abzureißen, allein der gut erhaltene Abteiflügel blieb bestehen.
Danach ging 1847 der Besitz an den Freiherrn von Korff-Harkotten über. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb der Caritasverband Münster die barocke Abtei und betrieb darin bis 1965 ein Kindererholungsheim. 1973 erwarb ein örtlicher Textilhändler das Gebäude, unter dessen Regie eine Reihe von Umgestaltungen erfolgten, die einen massiven Eingriff in die bis dahin erhaltene Substanz bedeuteten. Im Jahre 2007 erwarb der benachbarte Hotelier die Abtei und betreibt sie bis heute als Tagungszentrum. Im Dachgeschoss befindet sich übrigens ein kleines Museum, ein paar dort ausgestellte Exponate können auch in unserer Bildergalerie betrachtet werden.

Sie werden sich vielleicht wundern, dass wir Ihnen nicht die Geschichte des Klosters vor seiner Aufhebung präsentieren, zum Beispiel während der Blütezeit im 12. und 13. Jahrhundert, als der Konvent aus 50 bis 60 Mönchen bestand. Doch das würde den Rahmen des Artikels sprengen, denn 617 Jahre Klosterleben sind schließlich eine lange Zeit, die aber Holger Kempkens sehr detailliert und ausführlich in der Broschüre" Abtei Marienfeld" - Westfälische Kunststätten - auf 60 Seiten (inklusive Fotografien) zusammengefasst hat. Diese kann im Klosterlädchen für fünf Euro erworben werden.

Hinweis: 
Darüber hinaus werden von der Gemeinde Harsewinkel fachkundige Führungen durch die Klosteranlage angeboten. Ab November bis einschließlich Februar gibt es ein besonderes Highlight: Auf dem Klostergelände findet in stimmungsvoller Abenddämmerung ein Laternenrundgang statt, der eine interessante Zeitreise durch die Klostergeschichte bietet. Alles Weitere erfahren Sie unter: https://www.harsewinkel.de/portal/seiten/erleuchtete-klosterzeit-900000285-34050.html 
Außerdem besteht die Möglichkeit, sich direkt an die Stadtführerin Bärbel Tophinke unter der Telefon-Nr. 0160 97736188 zu wenden.

Wir wünschen Ihnen viel Freude auch beim weiteren Betrachten der Bilder mit informativen Textlegenden in der nachfolgenden Galerie. Und schauen Sie mal vorbei im beeindruckenden ehemaligen Zisterzienserkloster Marienfeld, oder noch besser, nehmen Sie teil an einer qualifizierten Führung!

Mit besten Grüßen
Ihre Redaktion

Karin und Jürgen Gerhard

Prora ist und bleibt ein Gigant

Wir waren wieder einmal auf Rügen und besuchten wie fast jedes Jahr Prora. Als die Ferien-Anlage entstand, hieß sie noch "Kraft-durch-Freude-Seebad-Rügen". Wir waren überrascht, wie sehr sich Prora verändert hat. Das wird beim grundsätzlichen Vergleich auf den Bildern links, zwischen denen fast 20 Jahre liegen, ebenfalls sehr deutlich.

Gute viereinhalb Kilometer ist die Gebäudeanlage lang und soll angeblich das längste Gebäude der Welt sein. Dieses bestand ehemals aus acht sechsgeschossigen Blöcken, jeder 550 Meter lang. Zwischen 1936 und 1939 wurde der Rohbau in seiner geplanten Ursprungsform, für die der Architekt Clemens Klotz verantwortlich zeichnete, erstellt.

Und das weiß eigentlich kaum jemand, der Gesamtentwurf von Prora wurde 1937 auf der Weltausstellung in Paris mit dem Grand Prix ausgezeichnet! Aus heutiger Sicht ist das kaum noch verständlich.
Rund 10.000 Zimmer sollten letztendlich in der Anlage, jedes rund 12,5 qm groß, mit zwei Betten, einem Schrank, einer Sitzecke und einem Waschbecken versehen, erstellt werden. Die Sanitäranlagen befanden sich separat in den Treppenhäusern. Schließlich war geplant hier einmal 20.000 Personen gleichzeitig Urlaub machen zu lassen, so die damaligen Vorstellungen.
Geworden ist daraus nichts, denn die Bauarbeiten wurden mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges von den Nazis gestoppt, ein Teil der Anlage diente ihnen als Ausbildungsstätte und später als Lazarett. Auch Flüchtlinge aus Ostpreußen und Pommern fanden darin später vorübergehend Platz.

Als die Rote Armee 1945 in Rügen Einzug hielt, sprengte sie Teile des Nordflügels. Vermutlich war die Sprengladung falsch berechnet, denn die Gebäude wurden nur stark beschädigt und blieben als Ruine erhalten. Den restlichen Teil nutzte sie weiterhin bis zum Jahre 1953. Später wurde das gesamte umliegende Areal zum Sperrgebiet erklärt und war somit für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Jetzt diente die Anlage Tausenden von Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) als Ausbildungsstätte.

Die Bundeswehr, die Prora nach der Wiedervereinigung 1990 übernahm, hatte nur ein kurzes Gastspiel, denn bereits zwei Jahre später verließ sie wieder die Anlage, sodass sie seit 1993 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist und 1994 sogar unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Doch Prora fristete viele Jahre ein ungewisses Dasein, die meisten Blöcke standen leer. Ein erster Lichtblick zeigte sich, als dort 1994 eine private Initiative die "Museumsmeile Prora" gründete, in der von nun an Ausstellungen stattfanden und sich sogar Galerien ansiedelten. Ein zweiter großer Lichtblick entstand, als, wie auf einem großen Jugendtreffen in Prora beschlossen, im Jahre 2011 eine Jugendherberge mit rund 100 Zimmern und 400 Betten im Block V eröffnet wurde. Sie gilt als längste Jugendherberge in Deutschland und ergänzt einen bereits seit 2007 dort bestehenden Jugendzeltplatz.

Mit der Zeit erkannten einige Investoren, welch vorzügliche Lage doch eigentlich Pora hat, schließlich haben alle Zimmer in dem langgestreckten Gebäude Meerblick und der weiße, hervorragende Sandstrand liegt, nur durch einen schmalen Waldstreifen getrennt, unmittelbar vor der Haustür. Das beflügelte so manche Investoren, die Gebäudeteile erwarben und sanieren ließen. Es entstanden Appartements bis hin zu Luxuswohnungen, die indessen, wie man hört, Preise bis über 6.000 Euro pro Quadratmeter erzielen. Angeblich sollen nur noch wenige Appartements zum Verkauf stehen.

Wie bereits gesagt: "Prora ist und bleibt ein Gigant!"


Viel Spaß beim Lesen und Betrachten und das Gewinnen neuer Erkenntnisse wünscht Ihnen 

Die Redaktion

 

Ein kleiner Ausflug zum Billerbecker Dom

An der Propsteikirche St. Ludgerus, auch Billerbecker Dom genannt, ragen zwei Kirchtürme hoch in den Himmel hinein. Die Fingerzeige zu Gott, die Wahrzeichen aller Kirchen sind, erinnern uns daran, dass Gott ständig mit unserem Leben und Dasein auf der Erde verbunden ist. Gott beschützt uns wie ein Fels in der Brandung, beharrlich, konsequent, unbeirrbar und unverrückbar.

Außerdem ist der Kirchturm der beste Platz für das Glockengeläut. Von dort oben kann sich der Glockenklang überall hin ausbreiten und ist selbst aus großer Entfernung noch gut zu hören. Die Glocken rufen die Menschen zum Gottesdienst und mahnen sie immer wieder, die himmlische Stimme trotz des alltäglichen Lärms der Welt zu hören.

Und zu Zeiten, in denen mobile Uhren noch rar waren, gab das Glockengeläut den Menschen Orientierung im täglichen Leben. Selbst weit auf den Feldern konnten sich die Bauern und ihr Gesinde bei der Arbeit nach dem Glockengeläut richten. Letztendlich wusste ein jeder, auch ohne Armbanduhr oder Smartphone, was die Stunde geschlagen hat.

Wir wünschen Ihnen in dieser unruhigen Zeit ein friedvolles, gesegnetes und fröhliches Osterfest mit viel Sonnenschein und Glockengeläut - in Nottuln, Appelhülsen, Schapdetten und Darup natürlich von den einheimischen Kirchen, die wir schon in unserem Bildband "Nottuln ... ein starkes Stück Heimat" umfassend behandelt haben. Dort zeigen wir Ihnen Nottuln auf rund 380 Fotografien aus unseren Perspektiven und Blickwinkeln, um Sie auch ein bisschen daran zu erinnern, wie schön, kostbar und lebenswert unser Dorf und dessen Umgebung ist und was für ein Glück es bedeutet, hier leben zu dürfen.
Ziel des Buches ist es, die das gesamte historische kulturelle Erbe von Nottuln und seine Natur zu schützen und zu bewahren, denn: „Eine Gemeinde lebt von ihrem historischen Besitz und seiner intakten Natur!“
Wir würden uns freuen, wenn Ihnen die meisten Fotografien und Texte gefallen und Ihr Gesamtbild von Nottuln ein wenig erweitert oder ergänzt wird.
Mehr erfahren sie unter: https://www.nottuln-blickpunkt.de/313-nottuln-ein-starkes-stueck-heimat

Mit besten Ostergrüßen
Ihre Redaktion: Karin und Jürgen Gerhard

Anmerkung: Beachten Sie bitte in der folgenden Bildergalerie auch die Bilder zum Dom von Billerbeck, der sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal mit einem umfangreichen Artikel gewürdigt wird (Aktualisiert am 7. April 2023).

Eine kleine Reise durch die Ausstellung des LWL im Museum von Schloss Cappenberg und die Stiftskirche St. Johannes Evangelist

Nehmen Sie sich etwas Zeit und Muße und besuchen Sie die Ausstellung des LWL auf Schloss Cappenberg in Selm, die aus Anlass des 900-jährigen Geburtstages von Kaiser Barbarossa stattfindet. Schon die Anreise durchs Münsterland von Nottuln über Senden, Ottmars-Bocholt, an Schloss Neunkirchen vorbei bis auf den Hügel von Schloss Cappenberg empfanden wir als sehr angenehm und abwechslungsreich.

Parken können Sie kostenlos direkt am Schlosspark neben dem Haupteingang. Gehen Sie durch das Eingangsportal, empfängt Sie ein mit uralten Bäumen ausgestatteter Schlosspark. Die mächtigen Baumkronen spenden Ihnen kühlenden Schatten auf dem Weg zum Schloss nebst Stiftskirche. Vorbei an der "Alten Kegelbahn", die heute ein kleines Café beherbergt, lassen Sie den 25 Meter hohen Wasserturm links liegen und gehen direkt zum Haupteingang von Schloss Cappenberg, das sich im Besitz des Grafen von Kanitz befindet, einem Nachkommen von Karl Freiherr vom Stein, der die Schlossanlage 1816 außer der Kirche erwarb. Diese wurde 1832 Zur Pfarrkirche erhoben und präsentiert sich seit Januar 2022 wieder gänzlich restauriert dem Besucher.

Zunächst ein paar Worte zur Geschichte
Vor rund 900 Jahren entstand auf der im südlichen Münsterland gelegenen Burg Cappenberg das erste Prämonstratenserstift in Deutschland, das am 15. August 1122 durch Bischof Dietrich von Münster eingeweiht wurde. Der Zutritt war ausschließlich dem Adel vorbehalten. Die Brüder Graf Gottfried und Otto von Cappenberg schenkten dem Wanderprediger Norbert von Xanten ihre Burg, der als Gründer dieses Klosters gilt. Otto von Cappenberg war selbst von 1156 bis zu seinem Tod Propst des Klosters und Taufpate des Kaisers Friedrich I. Barbarossa. Dieser rotbärtige Mann, daher auch sein Name Barbarossa (italienisch barba rossa: roter Bart), wurde zu einer der mächtigsten Gestalten des Mittelalters.

Zunächst Herzog von Schwaben, dann römisch-deutscher König und schon ab 1155 römisch-deutscher Kaiser und der blieb Barbarossa bis zu seinem Tode im Jahre 1190. Als einflussreicher Feldherr hinterließ er zahlreiche Spuren in Deutschland und Europa und avancierte zum volkstümlichsten der deutschen Kaiser. Schließlich war er ein Vorfahr der Hohenzoller, hatte ein zersplittertes Reich wieder zusammengeführt und mit eiserner Hand regiert. Den Päpsten bot er Paroli und führte einige siegreiche Kriege.

Die Suche nach den Gebeinen von Barbarossa
Im 19. Jahrhundert wurde er als ein würdiger Vorläufer von Bismarck und Kaiser Wilhelm gesehen. Das führte so weit, dass der "Eiserne Kanzler" Otto von Bismarck 1874 eine Expedition in den Libanon entsandte, um Barbarossas sterbliche Überreste zu finden und sie als nationale Reliquien in den Kölner Dom zu überführen. Tatsächlich befand sich in Tyrus die Ruine einer alten Kathedrale, von der man vermutete, dass dort Barbarossas Knochen beigesetzt wurden, aber leider fand man das Grab nicht. So lebt die Legende weiter fort, dass Kaiser Barbarossa überhaupt nicht verstarb, sondern schlafend in einer von Raben umschwirrten Höhle im Kyffhäuser Gebirge auf die Rückkehr seiner Herrschaft wartet.
Mittlerweile wird sein feuerroter Bart eine stattliche Länge erreicht haben und wird eines Tages sicherlich aus dem verborgenen Höhleneingang herauswachsen, dann wird er hoffentlich endlich gefunden.

Die Ausstellung Barbarossa. Das Vermächtnis von Cappenberg
Doch nun genug der eigenen Fantasie! Besinnen wir uns auf das, was heute noch als Artefakte aus dieser Zeit zu bewundern ist, wie der legendäre vergoldete sogenannte Cappenberger "Barbarossakopf" in der Ausstellung "Barbarossa. Das Vermächtnis von Cappenberg" des LWL in Schloss Cappenberg. Zusammen mit der Taufschale des Kaisers "Rotbart" stellen sie einmaliges Zeugnis handwerklicher Kunst aus dem 12. Jahrhundert dar.

Die Ausstellung des LWL, die, wie bereits erwähnt, aus Anlass des 900. Geburtstages Barbarossas im Museum auf Schloss Cappenberg stattfindet, können Sie bis zum 5. Februar 2023 besuchen. Unter der Woche ist sie von Dienstag - Sonntag von 10.00 - 17.30 Uhr geöffnet.

Sehenswerte Stifts- und Pfarrkirche St. Johannes Evangelist
Doch nicht nur die Ausstellung und Schloss Cappenberg mit Schlosspark sind absolut sehenswert, sondern auch die ehemalige Stiftskirche, die sich seit Januar 2022 vollständig restauriert dem Besucher mit einem fantastischen, mit vielen Schnitzereien versehenen, gut erhaltenen Chorgestühl und vielen anderen Sehenswürdigkeiten präsentiert.

Obwohl eine Diaschau den persönlichen Besuch dieser Ausstellung und der Stiftskirche keinesfalls ersetzen kann, haben wir uns insbesondere für diejenigen, die aufgrund körperlicher, gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr dorthin reisen können, erlaubt, im Anschluss an unseren Bericht einige selbst erstellte Bilder mit entsprechenden Bildlegenden diesbezüglich einzustellen. Wir wünschen Ihnen beim Betrachten und Lesen viel Freude.

Folgeausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster
Zum Schluss möchten wir Sie auch noch auf die große Folge-Ausstellung "Barbarossa. Die Kunst der Herrschaft" hinweisen, die im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, Domplatz 10, vom 28. Oktober - 5. Februar 2023 stattfindet. Das Museum ist von Dienstag - Sonntag von 10.00 - 18.00 Uhr geöffnet.

Mit besten Grüßen und bleiben oder werden Sie gesund

Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard

Schloss Raesfeld

Ein herrliches Anwesen im Stil der  Renaissance
Es war ein einigermaßen sonniger Tag und doch nicht zu heiß, also ein idealer Tag für einen Ausflug zu einem historischen Ziel. Schloss Raesfeld sollte es sein, das rund 50 km von Nottuln entfernt am Dorfrand der Gemeinde Raesfeld liegt, die heute 11.440 Einwohner zählt. Wer gemütlich fährt und dabei die vorbeiziehende Münsterländer Landschaft genießt, der benötigt schon eine gute dreiviertel Stunde.

Die vorgelagerte Freiheit touristisch erschlossen
Als wir auf dem Weg vom nahen Parkplatz zum Schloss gingen, beeindruckten uns sofort die gepflegten Grünanlagen und die kleinen, dem Schloss vorgelagerten Häuschen, die allesamt zur „Burg- oder Schlossfreiheit“ gehören und teilweise unter Denkmalschutz stehen. In Ihnen haben sich größtenteils Restaurationsbetriebe niedergelassen, die gerne die Besucher von Schloss Raesfeld beköstigen. Aber auch der eine oder andere Künstler hat hier sein Refugium gefunden, wie wir später feststellen konnten. 
Obwohl es ein Wochentag war, herrschte reger Betrieb. Das war den drei Hochzeiten geschuldet, die an diesem Tag stattfanden. Wir fanden, sie passen gut an diesen Ort, zumal wir gerade an der herrlichen Kath. Schlosskapelle St. Sebastian vorbeikamen, die direkt vor der Vorburg des Schlosses mit ihrer Doppelturmfront vollkommen symmetrisch angelegt wurde. Falls Sie auf dem "Ökumenischem Pilgerweg" hierhin  gewandert sind, können Sie sich am Kircheneingang Ihren Bestätigungsstempel abholen (Siehe Fotogalerie).
Anmerkung: Als "Burg- oder Schlossfreiheit" wird eine Ansiedlung von Einzelgebäuden innerhalb oder in direkter Nähe einer Burg- oder Schlossanlage bezeichnet. Die dort Wohnenden hatten zum Beispiel bestimmte Selbstverwaltungsrechte.

Schloss und Vorburg
Und dann vielen unsere Blicke auf Schloss Raesfeld, das früher mal ein reines Wasserschloss war, doch ein Teil der Gräfte ist zugeschüttet. Natürlich fällt einem sofort der große 55,5 Meter hohe Turm auf, der weit in den Himmel ragt. In Nordrhein Westfalen ist es der höchste aller Schloss- und Burgtürme und soll ein Fernrohr symbolisieren - nicht ganz von der Hand zu weisen, aber eher an ein voll ausgezogenes einäugiges Fernrohr, was damals durchaus verwendet wurde.
Aber auch die Vorburg beeindruckt durch mehrere Türme, insbesondere der rechteckige Sterndeuterturm mit seiner umlaufenden Balustrade zieht die Blicke auf sich. Hier soll der damalige Bauherr des Schlossneubaus, Reichsgraf Alexander II. von Velen seine astrologischen und alchemistischen Studien betrieben haben. 1646 zog sich der genannte „Westfälische Wallenstein“ auf sein Schloss zurück und verstarb hier.

Die Geschichte von Schloss Raesfeld kurz zusammengefasst
Ursprünglich gründete Rabodo von dem Berge im Jahre 1170 den Haupthof Raesfeld, den knapp 90 Jahre später der Ritter Simon von Gemen erwarb und zu einer Wasserburg umbauen ließ. Durch Heirat kam die Burg 1595 in den Besitz von Hermann IV. von Velen, der sie 1576 an seinen Sohn Alexander I. übergab. Doch bereits gut 20 Jahre später, im Jahre 1597, brannte die Burg ab - danach entstanden ein neues Giebelhaus und der Rundturm an der nördlichen Ecke.

Neubau des Schlosses ab dem Jahre 1643
Sein Nachfolger Alexander II. von Velen, kam durch seine Geschäftstüchtigkeit, insbesondere durch den Salzhandel von seiner eigenen Saline in Rheine und den 30-jährigen Krieg zu großem Vermögen, sodass er im Jahre 1643 dem Kapuzinermönch Michael von Gent den Auftrag erteilte, einen herrlichen Schlossneubau an dieser Stelle zu errichten. Der großzügige Ausbau zum Residenzschloss dauerte bis ins Jahr 1658. Leider hat wie so oft in der Geschichte der Nachwuchs, in diesem Fall der Sohn Alexanders II., Ferdinand das gesamte Familienvermögen durchgebracht. Das Schloss Raesfeld blieb daher zeitweise unbewohnt. Erst im Jahre 1922 fing Graf Max von Landsberg an, die verfallenen Gebäude zu restaurieren.

Handwerker statt Adel
Im Jahre 1942 ging Schloss Raesfeld in den Besitz der Handwerks-kammer Münster über und gilt als Sitz der Handwerkerorganisation NRW. Die ließ nach dem Ende des zweiten Weltkrieges die noch vorhandenen Gebäude gründlich restaurieren. Heute präsentiert sich Schloss Raesfeld in seiner ganzen Pracht. Adelige Familien werden hier nicht mehr beherbergt, sondern Handwerker aus den verschiedensten Berufszweigen weitergebildet. Selbst die Ausbildung zum "Restaurator im Handwerk" erfolgt in speziellen Kursen, denn die Handwerker-Akademie kümmert sich in besonderer Weise um die "Denkmalpflege im Handwerk". Angesichts der herrlichen Kulisse gibt es wohl kaum einen besseren Ort hierfür!

Standort für Kultur und Tourismus
Auch die Kultur und andere Bedürfnisse der Menschheit haben hier Ihren Standort. So finden im schönen Rittersaal mit ansprechendem Ambiente viele der Konzerte und Veranstaltungen des „Kulturkreises Schloss Raesfeld e. V. statt ( https://www.kulturkreis-schloss-raesfeld.de/index.php ). Doch auch der Genuss von Speis und Trank kommen hier nicht zu kurz, denn im Schloss, wie wir hörten, soll sich ein ausgezeichnetes Restaurant befinden, das auch einen angebauten großen Wintergarten und eine Außenterrasse mit Blick auf die Wasserfläche für ihre Gäste nutzt. Aber wie bereits erwähnt, können Sie auch in den vorgelagerten, zum Teil mittelalterlichen Gebäuden der Burgfreiheit in verschiedene Restaurants einkehren. Wir selbst ließen uns in dem Café „Kuchenkiste am Sterndeuterturm" mit fantastischem Kuchen und Cappuccino verwöhnen. Auf dem Rückweg durch die Burgfreiheit zum Parkplatz erwarben wir in einer kleinen Bildergalerie ein hübsches Aquarell-Bild, was zu Hause schon einen geeigneten Platz gefunden hat - als Erinnerung an einen schönen Tag auf Schloss Raesfeld.

Freuen Sie sich mit uns über das wunderbar wieder hergestellte Schloss mit seiner vorgelagerten Freiheit und den hinter dem Schloss anschließenden alten Tiergarten. Gönnen Sie sich einen kleinen Vorgeschmack hierauf und öffnen Sie auch die nachfolgende Bildergalerie mit Textlegenden. Wir haben versucht, Ihnen einen umfassenden Eindruck von Schloss Raesfeld und seiner unmittelbaren Umgebung zu hinterlassen, an dem Sie sich sicherlich auch erfreuen können, falls Sie - aus welchen Gründen auch immer - nicht dort hinreisen können.
In naher Zukunft planen wir einen weiteren Besuch von Schloss Raesfeld, um diesen Artikel durch einige Innenaufnahmen in der Bildergalerie zu ergänzen.

 

Ein Kleinod mit herrlichem Garten hinter hohen Mauern
Als wir Haus Welbergen nach rund vier Stunden Aufenthalt verlassen, fragen wir uns, was war eigentlich schöner, die Burganlage oder der Garten? Ohne groß nachzudenken, stellen wir spontan fest: "Es war grandios, beides, und das eine geht ohne das andere nicht!"
Doch beginnen wir von vorne. Haus Welbergen liegt von Nottuln aus nur 36 km entfernt, wenn man übers Land fährt. Vor der Anlage befindet sich ein großer Parkplatz, falls sie mit dem Auto anreisen. Dahinter liegt gleich der alte Posthof, in dem früher ein gutes Restaurant die Besucher verwöhnte, doch das war einmal.

Wir haben uns Gott sei Dank ein zweites Frühstück mitgebracht, die guten Pfefferbeißer von der Nottulner Metzgerei Irmer, dazu ein paar frische Brötchen und eine gute Tasse Tee aus der Thermosflasche, das reicht. Trastl, unser Jack Russel, der uns auf unseren Ausflügen begleitet, wurde ebenfalls gut verpflegt. Ach ja, zum Nachtisch gab es noch frische Erdbeeren.

Gut gestärkt und frohen Mutes gingen wir am alten Posthof vorbei und liefen erst einmal außen durch den Wald um die Burganlage herum. Das ist absolut empfehlenswert, denn auf diesem Weg, der an der Gräfte entlang führt, eröffnen sich für den Betrachter immer wieder neue Perspektiven.

Doch das Highlight erschließt sich Ihnen erst, wenn Sie die Zugbrücke verlassen und durch das Eingangstor den wundervollen, nach barockem Vorbild angelegten Garten betreten. Voller Erstaunen blieben wir erst einmal wie angewurzelt stehen. Vor einem erstrecken sich Blumenbeete mit herrlichen Busch-, Bodendecker- und duftenden Edelrosen, wunderbar eingebettet in die vorzüglich gepflegte Burganlage. An alten Mauern leuchten Kletterrosen in verschiedenen Farben. Doch nicht nur Rosen-, sondern auch Staudenliebhaber kommen in dem fantastischen Blumenmeer auf ihre Kosten. Darunter befinden sich viele insektenliebende Pflanzen, auf deren Blütenständen sich Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und allerlei andere Insekten tummeln, einfach herrlich anzusehen.

Die Geschichte von Haus Welbergen, kurz zusammengefasst
Bereits 1282 wurde die Hofanlage, auf der die "Herren von Welleberghe" zu Hause waren, erstmals urkundlich genannt. Das Herrenhaus wurde im 16. Jahrhundert von Christian von Oldenhaus im Renaissancestil mit Dreistaffelgiebeln neu aufgebaut. Die gesamte Anlage inclusive Umgebungsmauern wurde im Dreißigjährigen Krieg baulich verstärkt und auch in den Folgejahren immer mehr zu einer Wasserburg ausgebaut. Zwischen 1625 und 1632 entstand die vorgelagerte Wassermühle.
Schließlich fand im 18. Jahrhundert ein gründlicher Umbau statt, und das Herrenhaus erhielt seine barocke Innenausstattung durch Franz Caspar Cajetan Bucholtz. Währenddessen und danach wechselte die Anlage mehrfach die Besitzer, bis der Niederländer Bankier Jordaan van Heek das Anwesen erwarb. Seine Witwe Bertha Jordaan van Heek hinterließ den gesamten Besitz als Stiftung für den deutsch-niederländischen Kulturaustausch - eine gute Entscheidung, wie man heute sieht.
Die Veränderung des Anwesens während der geschichtlichen Epochen wird auch in den Grafiken deutlich, die in einem der Wachtürme ausgestellt sind. Heute besteht die Anlage aus einer Vor- und einer Hauptburg, die von einem Gräftenring umgeben ist.

Besichtigung der Anlage
Diejenigen, die Haus Welbergen in 48607 Ochtrup, Bökerhog 6, aufsuchen möchten, können das tagsüber jederzeit tun. Das gilt aber nur für die Gartenanlage und die Außenbesichtigung der Gebäude. Rosenliebhaber sollten dafür am besten den Monat Juni wählen. Führungen finden aufgrund von Corona zurzeit nicht statt (Alle Angaben ohne Gewähr!).

Die Bildergalerie
Von hieran bitten wir Sie, die unten stehende Bildergalerie zu öffnen, in der wir Ihnen das herrliche Anwesen mit entsprechenden Bildern, ergänzt durch Textlegenden, weiter vorstellen möchten. Wir haben diese Art der Vorstellung gewählt, damit auch Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht mehr diesen Ort aufsuchen können, die Möglichkeit erhalten, diesen Spaziergang nachzuvollziehen.

Das Redaktionsteam wünscht Ihnen viel Freude beim Lesen und Betrachten.