Blickpunkt Nottuln
12.06.2024
Blickpunkt Nottuln

Nützliche Lupinen im Familienwald umgemäht

Egal ob weiß, gelb, blau oder pink, die langen Blüten fallen überall auf und sind eine echte Zierde. Aber noch wichtiger als optische Reize ist, was in den Blüten steckt: Lupinen sind besonders reich an Nektar und daher ein Tummelplatz für Hummeln und Bienen. So oder so ähnlich ist es im Internet und auch in Fachbüchern nachzulesen. Das scheint in der Gemeinde Nottuln offenbar noch nicht bekannt zu sein, denn am Pfingstwochenende existierte die Lupinenwiese, deren Blüten sich gerade öffneten, unter den Bäumen des Familienwaldes schon nicht mehr.
Hier hat, wer auch immer, ganze Arbeit geleistet, wie man auf dem zweiten Bild sieht. Das restliche Grün ist von der Sonne verbrannt - von den hierbei getöteten Insekten ganz zu schweigen. Wir vermuten, dass es Beschäftigte der Gemeinde waren, da die bisherigen Schnittarbeiten an den Bäumen und Sträuchern im Familienwald auch schon durch die Gemeinde durchgeführt worden sind. Zumindest muss sie als Eigentümer des Geländes den Auftrag hierzu erteilt haben.

Unsere Redaktion hatte gerade den ersten Teil unseres Artikels "Das Feuchtgebiet Nonnenbachtal hat eine hohe Bedeutung für die Ökologie, den Klima- und Hochwasserschutz" in den Nottulner Blickpunkt eingestellt. Aufgrund der aktuellen Entwicklung haben wir uns entschlossen, den Teil 2 dem speziellen Thema Pflanzenwelt im und um den Familienwald zu widmen. Bereits vor einigen Jahren mussten wir feststellen, dass auf einer Wiese direkt hinter dem Familienwald über 100 Karden nicht nur umgemäht, sondern auch mit der Wurzel ausgegraben wurden, obwohl auch diese Pflanzen während der Blütezeit reichlich Insekten aufsuchten.

Denn auch blühende Karden, übrigens auch Heilpflanzen, sind schon immer nicht nur ein optischer Genuss. Grundsätzlich sind sie wichtige Nutzpflanzen für Schmetterlinge wie Pfauenauge sowie auch Hummeln, diese sind sehr oft auf den Blüten anzutreffen (siehe auch Bilder in der anschließenden Galerie/Diaschau). Darüber hinaus sammeln sie in ihren trichterförmigen Stängelbättern Regenwasser für Vögel. Eine Vogelart hat sich ganz besonders auf sie spezialisiert: Die Distelfinken brauchen den Kardensamen als Winternahrung. Und zum guten Schluss bieten die abgeblühten Kardenstängel vielen Nützlingen im Winter Unterschlupf.

Uns war und ist es bis heute immer noch ein Rätsel, warum gerade von öffentlicher Seite aus so mit Nutzpflanzen beziehungsweise der Tierwelt umgegangen wird.  Erst waren es die Karden, jetzt sind es die Lupinen, was kommt als Nächstes dran und wann hört das endlich auf?

Eigentlich müsste doch gerade die öffentliche Hand eine vorbildhafte, rücksichtsvolle Position im Umgang mit der Flora und Fauna einnehmen und das auch im täglichen Umgang mit ihr zeigen. Unsere Redaktion hat diesbezüglich bei der Nottulner Gemeindeverwaltung nachgefragt und wird darüber berichten.

Mit besten Grüßen

Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard

Wasserschutzgebiet und Feuchtbiotop vor der Haustür Nottulns

Das Wasserschutzgebiet im Nonnenbachtal leistet nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Trinkwasserversorgung der Nottulner Bürgerinnen und Bürger, sondern es ist auch ein Feuchtbiotop, das Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen bereitstellt. Über die Jahrzehnte hinweg konnten wir beobachten, dass es - wenn man es zulässt - sich weiter nach Norden hin ausbreitet. Das wurde und wird nicht nur durch sich neu bildende Niedrigwasserzonen deutlich, sondern auch durch die Ausbreitung von bestimmten Pflanzenarten wie "Wasserbinsen", davon gibt es übrigens 300 Arten.

In Folge verweilen auch immer mehr Tierarten hier und bereichern das Biotop im Naturschutzgebiet (NSG) Nonnwnbach/Nottulner Berg. Erst kürzlich konnten wir einen Graureiher beobachten, der sich mit einem Enterich um den besten, erhöhten Platz stritt. Der Streit war jedoch aufgrund des Größenunterschiedes schnell beigelegt. Doch kaum war der Reiher verschwunden, thronte der Enterich wieder auf dem erhöhten Sitzplatz - es ist halt, wie im richtigen Leben, auch der Mensch ist lieber oben als unten.

Ein menschliches Beispiel dafür offenbarte sich uns in San Gimignano, einem kleinen Ort im Herzen der Toskana, in der Provinz Siena gelegen. Markenzeichen dieser wunderschönen Altstadt sind dreizehn Geschlechtertürme. Auf unsere Nachfrage erzählte man uns, dass dasjenige Geschlecht, welches den höchsten Geschlechterturm besaß, auch das größte Ansehen hatte. Es ging also wieder einmal um Reputation und Prestige.
Wir stellen uns gerade vor, dass in Nottuln auch so etwas möglich ist und wären uns ziemlich sicher, die Geschlechtertürme würden vermutlich selbst heute aus der Erde sprießen, einer höher als der andere. Da hätte wahrscheinlich der Kirchturm von Sankt Martinus das Nachsehen. Gott sei Dank verhindern das hier Bebauungspläne.
Aber "Spaß" beiseite und zurück zum Naturschutzgebiet Nonnenbachtal und seiner außerordentlichen Bedeutung.

Das NSG Nonnenbachtal ist auch Naherholungsgebiet
Wer durch das Nonnenbachtal wandert, der sollte sich immer wieder Zeit nehmen um an besonders schönen Stellen zu verharren und die Landschaft, das Licht, die Farben, die natürlichen Düfte und Begebenheiten genießen. Oft muss man etwas länger hinschauen, um zu bemerken, dass aus dem hohen Gras oder Schilf zum Beispiel ein paar Rehohren (Lauscher) herausragen - genießen sie den Moment, den Augenblick. Beispiele hierfür haben wir in die anschließende Bildergalerie (Diaschau) eingestellt, sodass auch bewegungseingeschränkte Menschen sich hieran erfreuen können.

Aus aktuellem, nicht erfreulichem  Anlass haben wir uns entschlossen, erst einmal einen Teil 2 dem Familienwald und seinen Pflanzen zu widmen". Später wird es einen Teil 3 geben.

Mit besten Grüßen

Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard

Keine Biberburg!

In den vergangenen Monaten hörte ich öfters die Vermutung, dass es im Nonnenbachtal eine Biberburg gebe, manche sprachen sogar von zweien. Zugegebenermaßen hat der aus alten Ästen und Pflanzen dort aufgeschichtete Haufen eine täuschende Ähnlichkeit mit einem Biberburg. Wurde ich allerdings vor Ort danach gefragt, so habe ich darauf hingewiesen, dass die Voraussetzungen im Nonnenbachtal nicht ausreichen, damit Biber sich hier ansiedeln.

Der Biber fühlt sich nämlich am wohlsten in den Auen. Optimal ist eine Uferzone mit üppiger Kraut -, Strauch - und Weichholzvegetation, die an einem natürlichen oder künstlichen Gewässer mit einer Mindestwassertiefe von 50 bis 80 Zentimetern liegt. Dabei bevorzugt der Biber langsam fließende oder stehende Gewässer, die im Sommer nicht trocken fallen. Das sind schon zwei Voraussetzungen, die hier vor Ort nicht eingehalten werden. Wir haben eine zu geringe Wassertiefe, außerdem fallen der Nonnenbach und die Seichtwasserzonen im Sommer oft trocken.
Trotzdem hielt sich das Gerücht noch eine ganze Zeit lang. Einen Biber hat aber niemand gesehen, obwohl er eine imposante Erscheinung und mit einem Gewicht bis zu 36 Kg schwerer ist als ein Reh, das 20 bis 30 kg auf die Waage bringt. Übrigens hat der Biber eines dem Menschen voraus, seine Zähne wachsen ständig nach; da könnte man neidisch werden.

Doch gerne werden solche Erhöhungen im Niedrigwasser von Gänsen für den Nestbau genutzt. Heute Abend, die Dämmerung hatte schon leicht eingesetzt, sah ich, wie dieses Grauganspärchen sich dort einrichtete. Es bleibt abzuwarten, ob die Gänse tatsächlich ihr Nest dort bauen.
In den vergangenen Jahren konnte ich jedoch an fast gleicher Stelle oft Graugänse beim Nestbau und Ausbrüten der Jungen beobachten, siehe nebenstehendes Bild. Übrigens wurde bei allen Fotografien, um die Gänse nicht zu stören, ein Teleobjektiv mit 600 mm Brennweite eingesetzt.

Wichtig ist an diesem neuralgischen Punkt, dass keine Hunde in das Feuchtgebiet laufen und die Graugänse stören. Dann könnten wir, wie auch in manch vergangenen Jahren, das Glück haben, ein Grauganspärchen mit zahlreichen Gösselchen zu beobachten.

Mit besten Grüßen
Ihre Redaktion

Karin und Jürgen Gerhard

 

Eine dreiste und unverantwortliche Belastung der Umwelt

Es ist schon dreist und unverantwortlich, Sondermüll direkt im Naturschutzgebiet und Wasserschutzgebiet Nonnenbachtal zu entsorgen. Heute fanden wir gleich zwei Haufen Asbestzement-Welldachplatten, direkt am Familienwald vor den Hinweis-Schildern entsorgt, die dieses Gebiet als NSG ausweisen. Natürlich ist das erst einmal eine billige Entsorgung von Sondermüll, sie belastet aber die Umwelt stark und kann den oder die Entsorger teuer zu stehen kommen.

Nicht umsonst sollen Fachbetriebe Arbeiten mit Asbest durchführen, und diese benötigen grundsätzlich einen gültigen Sachkundenachweis. Der wird nach erfolgreicher Teilnahme an einem anerkannten Lehrgang gem. TRGS 519 nach der Gefahrstoffverordnung erteilt. Schließlich können beim Hantieren mit Asbestzementplatten Asbestfasern freigesetzt werden. Gelangen diese in den Organismus, können sie Krankheiten wie Asbestose und Lungenkrebs auslösen. In vielen Ländern ist daher der Einsatz von Asbest seit Anfang der 1990er Jahre verboten.

Insofern müssen die damit umgehenden Personen entsprechende Schutzkleidung tragen. Die asbesthaltigen Platten sind in spezielle Säcke, sogenannte „Big Bags“, zu verpacken, die sich so verschließen lassen, dass keine Asbestfasern austreten können.

Natürlich muss solch spezieller, gefährlicher Sondermüll auch sach- und fachgerecht entsorgt werden und darf nicht irgendwo in die Natur abgekippt werden. So gilt laut § 326 des Strafgesetzbuches (StGB) Folgendes: Wer unbefugt Abfälle, die für den Menschen krebserzeugend, fortpflanzungsgefährdend oder erbgutverändernd sind, außerhalb einer dafür zugelassenen Anlage oder unter wesentlicher Abweichung von einem vorgeschriebenen oder zugelassenen Verfahren sammelt, befördert, behandelt, verwertet, lagert, ablagert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Der Nottulner Blickpunkt hat die Gemeindeverwaltung über diesen Vorgang informiert. Über das Ergebnis werden wir Sie auf dem Laufenden halten.

Ergänzung: Sowie ich gerade durch die Gemeindeverwaltung erfahren habe, wurde der illegal abgelagerte Sondermüll von der Polizei heute freigegeben. Die fachgerechte Entsorgung wird heute oder morgen durch eine Fachfirma erfolgen.

Bei einer nochmaligen Begehung am heutigen Tage (10. Jan.) hat unsere Redaktion festgestellt, dass der gefährliche Sondermüll bereits vom Ablageort entfernt wurde.

Mit besten Grüßen
Ihre Redaktion

Turmfalken ändern im Winter ihre Jagdmethode

Der Winter hat witterungsmäßig schon begonnen und somit die schwerste Jahreszeit für Turmfalken, speziell für Jungvögel. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie das erste Lebensjahr überleben, liegt nur bei 50 %. Insbesondere wenn tiefer Schnee und Eis die Jagd zu sehr behindern, verhungern Turmfalken einfach.

Das gilt auch für die Turmfalken im Nonnenbachtal, denn sie bleiben meist im Winter hier, wie ich in den vergangenen Jahren feststellen konnte. Um ihren Energiehaushalt zu schonen, stellen sie in der kalten Jahreszeit ihre Jagdmethode größtenteils auf die Ansitzjagd um. Auch wenn sie nicht so erfolgreich wie die Jagd beim Rüttelflug ist, verbrauchen die Turmfalken insgesamt gesehen weniger Energie. Trotzdem ist die Sterberate, gerade in den kalten Wintermonaten, sehr hoch. 

Hoffen wir auch für Sie, dass es nicht zu lange sehr kalt wird.

Mit besten Grüßen
Ihre Redaktion

Ein Hauch von Vogel ...

Glück im Unglück hatte das zarte Goldhähnchen 

Das zarte Vögelchen hatte Glück im Unglück, als er vor die Scheibe unserer Terassentür flog. Der Aufprall war deutlich zu hören und wir ahnten sofort, was passiert war. Eiligst rannte meine Frau Karin nach draußen und da lag es, das kleine Federbündel, regungslos auf der Terrasse, wie ein welkes Blatt. Das linke Beinchen hatte es weit  von sich gestreckt, den rechten Flügel ebenfalls, hoffentlich ist nichts gebrochen.

Doch das täuscht meistens, denn in der Regel haben die kleinen Federbälle einen Schock und das ist besonders bedenklich, wenn es draußen sehr kalt ist. Also nahm Karin den kleinen Vogel behutsam in beide Hände und mit ins warme Haus. Nur sein Köpfchen guckte heraus, seine Augen waren halb geschlossen, der Schnabel weit geöffnet, als sie begann, ihn mit ihrem warmen Atem wieder Leben einzuhauchen.

Erste Lebenszeichen
Es dauerte eine ganze Zeit, ehe sich wieder Lebenszeichen in ihm regten. Doch dann merkte sie in der linken Hand, wie das Herzchen zart bubberte und das bei einem Vogel von 8 bis 10 Zentimeter Größe und einem Gewicht von 4 bis 8 Gramm. Nach ca. vier bis fünf Minuten öffneten sich die Augen wieder vollends und das Wintergoldhähnchen bewegte sich sachte. Nach weiterer "Mund zu Schnabelbeatmung" während ihn auch die Hände weiter wärmten, kehrte das Leben immer mehr in den kleinen Federball zurück, hier ist Geduld und langes Anhauchen vonnöten.

Und dann ist es wie ein kleines Wunder, das fast totgeglaubte Vögelchen wird immer lebendiger. Nach rund 15 Minuten verließen wir das Haus und Karin öffnete leicht ihre Hände, sodass der vorgewärmte Piepmatz auf ihrer Hand sitzen bleiben konnte, und das tat er ausgiebig mit leicht aufgeplusterten Federn. Offensichtlich fühlte er sich wohl und geborgen, und dann schloss er seinen Schnabel und flog plötzlich weg, so als wäre nichts gewesen.

"Unglücksraben" gerettet
Lebensrettung wieder einmal geglückt, dachten wir und ja, so ist es wirklich! Durch diese Behandlung haben wir in den letzten Jahrzehnten rund 90 % dieser "Unglücksraben" retten können. Obwohl in den Fenstern Gegenstände hängen oder Aufkleber Verwendung finden, lässt es sich nie ganz vermeiden, dass Vögel gegen Fensterscheiben fliegen. Mitunter geschieht das auch, wenn sie sich gegenseitig jagen oder die Sonne äußerst tief steht.

Wenn Ihnen das ebenfalls widerfahren sollte, dann wissen Sie zumindest jetzt, wie Sie diese kleinen Federbälle retten und ihnen neues Leben schenken können. Versuchen Sie es einfach, ein gutes Gefühl wird sich bei Ihnen einstellen, denn meistens klappt es.

Vogelfütterung ist Artenschutz
Und nicht vergessen, die Vogelfütterung hat längst begonnen, Draußen herrscht jetzt eine kalte Witterung, zeitweise mit Temperaturen unter Null Grad. Beteiligen Sie sich bitte auch und füttern die Vögel kontinuierlich, jeden Tag! Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz, denn nur so können die Vögel den kalten Winter überleben. Übrigens, unser Vogelhaus steht direkt vor unserem Küchenfenster und wir schauen den Piepmätzen live beim eigenen Frühstück zu, das ist besser als jedes Frühstücksfernsehen.

Weitere Bilder finden Sie in der nachfolgenden Bildergalerie.

Mit besten Grüßen

Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard

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