Blickpunkt Nottuln
16.03.2026
Blickpunkt Nottuln

Mit Oldtimer-Traktoren/-LKW und Verladung 

Noch liegt es still und verträumt da, das Mühlengebäude mit seinem schönen Wohnhaus, mit Vorgarten und Nebengebäuden. Doch das wird sich bald ändern, denn am Pfingstmontag ist wie jedes Jahr Mühlentag, auch bei der Mühle Zumbülte an der Mühlenstraße in Nottuln und das bereits zum siebten Mal.

Doch Petrus meinte es wieder gut mit allen Mühlenfreunden und Besuchern, die Sonne strahlte vom blauen Himmel herunter, als die Oldtimer-Traktoren bei der Mühle vorfuhren. Sie waren zwar nicht so alt wie das Mühlengebäude selbst, das aus dem Jahre 1914 stammt, aber einige Jahrzehnte hatten sie auch schon auf dem Buckel. Viele Kinder, aber auch ihre Eltern hatten ihre Freude daran, einmal auf den Traktoren Platz nehmen zu dürfen.

Und die Mühle selbst, da hatte sich natürlich auch einiges gegenüber dem Vorjahr getan und die Fortschritte präsentierten die Mühlenfreunde stolz den zahlreichen Besuchern, denn fast alle Maschinen sind jetzt lauffähig. Und die waren mächtig beeindruckt, wie viele Räder und Maschinen sich bewegten, angetrieben von nur einem einzigen Wasserrad, also erneuerbarer Energie! Näheres darüber erfahren Sie auch auf der Webseite der Mühle unter https://muehle-zumbuelte.de/

Anhand der nachfolgenden Bildergalerie möchten wir Sie mitnehmen auf eine kleine Reise durch das interessante Geschehen, welches sich an diesem Mühlentag auch vor dem Mühlengebäude abgespielt hat. Dieses Mal konnten die Besucher bereits den Mahlvorgang an einer transportablen kleinen vor dem eigentlichen Mühlgebäude aufgestellten Mühle aus den 1950er Jahren verfolgen.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Betrachten der Bildergalerie mit den einzelnen Bildlegenden. Übrigens, man lernt nie ganz aus, das mussten wahrscheinlich nicht nur wir wieder einmal feststellen.
Ein Dankeschön senden wir an alle Beteiligten, die den Mühlentag zum wiederholten Mal zu einem echten Erlebnis werden ließen.

Die Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard

Vive l´amitié franco-allemande!

Die 50-jährige Jubiläumsfeier einer Städtepartnerschaft zwischen der französischen Stadt Bellegarde sowie unserer Nachbarstadt Havixbeck und das im Wasserschloss Haus Havixbeck war für unsere Redaktion allemal ein Grund, daran teilzunehmen. Obwohl wir schon 35 Jahre in Nottuln wohnen, war es das erste Mal, dass sich auch für uns die Tore der Schlossanlage öffneten. Als wir hindurchschritten, lag das dreiflügelige Schloss in seiner ganzen Pracht vor uns.

Wir verweilten erst einmal einen Moment und genossen den Anblick, bevor wir den Innenhof der Schlossanlage betraten. Dort hatte schon mit der herzlichen Begrüßung der vielen Gäste aus beiden Städten und der Politik durch den Hausherrn Freiherr Clemens von Twickel, der offizielle Festakt begonnen.

Bürgermeister Jörn Möltgen betonte in seiner Ansprache, wie wichtig doch das Band der Freundschaft gerade in Zeiten eines Angriffskrieges auf dem europäischen Kontinent ist. Er ermunterte die Bürgerinnen und Bürger der beiden Gemeinden alles dafür zu tun, damit auch in zukünftigen Generationen diese Freundschaft weiter wächst.
Ähnlich äußerten sich in ihren Grußwörtern auch die beiden Vorsitzenden der Kommission für Städtefreundschaft Amélie Granger und Cäcilia Gudorf-Brocks, denen der Jugendaustausch ganz besonders am Herzen liegt. Mit ihrer Unterschrift unter eine neue Freundschaftsurkunde bekräftigten Bürgermeister Jörn Möltgen und sein Amtskollege stellvertretender Bürgermeister Philippe Desnoues sowie Amélie Granger und Cäcilia Gudorf Brocks ihre Bereitschaft, die Freundschaft in den nächsten Jahren noch weiter zu vertiefen. 

Beeindruckt hat in seiner Ansprache auch der ehemalige Bürgermeister (1973) und Mitbegründer der Städtefreundschaft Tönne Mühlenbeck mit folgendem Grußwort:
"Mit großer Freude und tiefer Dankbarkeit erleben wir die 50 Jahre Städtefreundschaft zwischen Bellegarde und Havixbeck. Diese Städtefreundschaft ist ein Tell der Freundschaft der beiden Völker Frankreich und Deutschland. Noch nie in der Geschichte hat so eine Freundschaft so viel Glück, Frieden und Wohlstand gebracht. Frieden bedeutet nicht nur Schweigen der Waffen, sondern Verständnis, Austausch mit Familien und Vereinen.
Ich wünsche der Städtefreundschaft Bellegarde-Havixbeck weiterhin viel Erfolg und friedliche, glückliche Jahre." 

Der ganze Festakt wurde musikalisch untermalt von der französischen Musikkapelle "SOCIETE MUSICALE DE BELLEGARDE" zusammen mit dem "BLASORCHESTER HAVIXBECK", die nicht nur sehr stimmungsvoll die beiden Nationalhymnen zum Besten gaben, sondern mit ihrer Musik auch das Publikum prächtig unterhielten. Nach einem abschließenden Gläschen Sekt konnten sich alle Teilnehmer dem Bürgerfest zuwenden, das bereits auf der nebenan liegenden Wiese vor dem Schloss begonnen hatte. Dort gab es französische und deutsche Spezialitäten zum Verkosten und verschiedene Vereine stellten sich vor.

An der frischen Luft und bei schönem Wetter kamen in diesem wunderbaren Ambiente viele Leute ins Gespräch, die sich vorher nicht einmal kannten - ein schöner, gelungener deutsch-französischer Tag auf Schloss Havixbeck, Danke!

Das empfand sicherlich auch Hausherr Clemens von Twickel, dem als Dank für seine Gastfreundschaft und Unterstützung ein gut gefüllter Präsentkorb überreicht wurde. 

Abschließend möchten wir diesen schönen Tag anhand unserer Bildergalerie bei Ihnen Revue (bitte ganz nach unten scrollen) passieren lassen.
Zusätzlich zeigen wir Ihnen auch einige Besonderheiten von Haus Havixbeck, die uns dort aufgefallen sind. Wir wünschen dabei viel Freude und verabschieden uns mit den bereits eingangs genannten Worten:
"Vive l´amitié franco-allemande!"

Ihre Redaktion
Jürgen und Karin Gerhard

Der gesamte Text wurde mit freundlicher Unterstützung von Ha JO Walden ins Französische übersetzt. (Stand: 25.05.2023 12:00 Uhr)

50 ans d'amitié communale Bellegarde-Havixbeck

Vive l'amitié franco-allemande

La célébration du 50e anniversaire d'un jumelage entre la ville française de Bellegarde et notre ville voisine de Havixbeck ainsi que le château à douves Haus Havixbeck a toujours été une raison pour notre équipe éditoriale de participer. Bien que nous vivons à Nottuln depuis 35 ans, c'était la première fois que les portes du complexe du château étaient ouvertes pour nous. Alors que nous traversions, le château à trois ailes s'étendait devant nous dans toute sa splendeur.

Nous nous sommes attardés un instant et avons apprécié la vue avant d'entrer dans la cour intérieure du complexe du palais. La cérémonie officielle y avait déjà commencé par l'accueil chaleureux des nombreux invités des deux villes et des personnes politiques par l'hôte, le baron Clemens von Twickel.

Dans son discours, le maire Jörn Möltgen a souligné l'importance du lien d'amitié, surtout en temps de guerre d'agression sur le continent européen. Il a encouragé les citoyens des deux communautés à tout mettre en œuvre pour que cette amitié continue de grandir dans les futures générations. Les deux présidentes du Comité de jumelage, Amélie Granger et Cäcilia Gudorf-Brocks, ont exprimé des sentiments similaires dans leurs salutations. En signant un nouvel acte d'amitié, le maire Jörn Möltgen et son homologue, le maire adjoint Philippe Desnoues, ainsi qu'Amélie Granger et Cäcilia Gudorf-Brocks ont confirmé leur volonté d'approfondir encore l'amitié dans les années à venir.

L'ancien maire (1973) et co-fondateur du jumelage, Tönne Mühlenbeck, a également impressionné par la salutation suivante dans son discours : « C'est avec une grande joie et une profonde gratitude que nous vivons les 50 ans de jumelage entre Bellegarde et Havixbeck. Ce jumelage s'inscrit dans l'amitié entre les deux peuples, la France et l'Allemagne. Jamais dans l'histoire une telle amitié n'a apporté autant de bonheur, paix et prospérité. La paix ne signifie pas seulement faire taire les armes, mais comprendre, échanger avec les familles et les associations. Je souhaite à l'amitié communale Bellegarde-Havixbeck un succès continu et des années paisibles et heureuses."

Toute la cérémonie a été accompagnée par la musique du groupe de musique français "SOCIETE MUSICALE DE BELLEGARDE" avec le "BLASORCHESTER HAVIXBECK", qui ont non seulement interprété les deux hymnes nationaux d'une manière très atmosphérique, mais ont également diverti le public avec leur musique. Finissant la cérémonie par un verre de vin mousseux, tous les participants ont pu se tourner vers la fête citoyenne, qui avait déjà commencé sur le pré adjacent devant le château. Il y avait des spécialités françaises et allemandes à déguster et divers clubs se sont présentés. A l'air frais et par beau temps, de nombreuses personnes qui ne se connaissaient même pas auparavant ont pu converser dans cette ambiance merveilleuse - une belle journée franco-allemande réussie au château de Havixbeck, merci !

L'hôte, Clemens von Twickel, a certainement ressenti la même chose et a reçu un panier-cadeau bien rempli en lui remerciant de son hospitalité et son soutien.

Enfin, nous aimerions faire le point sur cette belle journée à l'aide de notre galerie de photos. De plus, nous vous montrerons également quelques particularités de Haus Havixbeck qui ont attiré notre attention. Nous vous souhaitons beaucoup de joie et disons au revoir avec les mots déjà mentionnés au début : Vive l'amitié franco-allemande !

votre rédaction

Jürgen et Karin Gerhard

Bildband über Nottuln, Darup, Appelhülsen und Schapdetten

Die Autoren Jürgen und Karin Gerhard haben einen Bildband über Nottuln mit 304 Seiten und rund 380 Fotografien erstellt. Sie leben seit rund 35 Jahren in Nottuln: „Ja, wir sind zu richtigen Nottulnesen geworden und fühlen uns hier einfach wohl“ so die beiden. Dazu haben beigetragen der wundervolle historische Ortskern, das Naturschutzgebiet und Naherholungsgebiet Nonnenbachtal/ Baumberge, die hervorragende Infrastruktur und natürlich die hier wohnenden Menschen. „Es ist ein Glück und Privileg in einem so schönen Ort wie diesem, mitten im Grünen wohnen zu dürfen“, sind sie sich einig.

Doch um einen Bildband zu erstellen, sind sehr viele gute, abwechslungsreiche Fotografien erforderlich und da konnte Jürgen Gerhard, auf ein in den letzten 40 Jahren stark angewachsenes Fotoarchiv zurückgreifen. Und was noch fehlte, wurde in zwei Jahren nachgeholt, so lange dauerte übrigens auch die Erstellung des Bildbandes. Ganz wichtig war für uns, so die Autoren, nicht nur das Kerngebiet Nottuln zu behandeln, sondern auch den dazugehörigen Dörfern Schapdetten, Appelhülsen und Darup jeweils einen Platz in unserem Bildband zu geben und eigene Kapitel zu widmen. Schließlich sind es schöne Orte, die sich trotz Eingemeindung eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt haben.

Inhalt
Dargestellt und behandelt wurden im Bildband nicht nur die Geschichte, sondern auch die „Neuzeit“, insbesondere die letzten 35 Jahre, und da hat sich in Nottuln doch sehr viel getan. Themen sind zum Beispiel die Kirchen, die Kurien, die alte Amtmannei, die Mühlen, der Rhodepark, die Schützenvereine, der Martinimarkt, das Nonnenbach- und das Stevertal, die Baumberge, der Dettener Dorfladen, das Lotte-Bach-Haus, die ehemalige Hofanlage Schulze Frenking, die „Wasserburgen“ Klein- und Groß Schonebeck , das Haus Darup, die Daruper Landpartie und viele, viele andere.

Doch auch aktuelle Themen wie die gemeindliche Infrastruktur mit den technischen Anlagen wie das Wasserwerk, das Heizkraftwerk oder die Einrichtungen Wellenfreibad, neue Jugendherberge, Gymnasium und Sportanlagen, sind nicht zu kurz gekommen. Die um Nottuln herum überall anzutreffende Landwirtschaft sowie die Industrie, das Handwerk, der Handel, das Dienstleistungsgewerbe und seine sozialen Einrichtungen wurden ebenfalls beispielhaft dargestellt.
Und der neue Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes kommt natürlich auch zu Wort. Insgesamt gesehen ist es eine Flut von Themen, die aus dem Inhaltsverzeichnis hervorgehen. Ein bisschen Kritik darf natürlich auch nicht fehlen, so die beiden.

Druck  und Spende an die Kinderkrebshilfe
Der Vierfarbdruck des Bildbandes erfolgte in einer Onlinedruckerei auf hochwertigem Papier. Sämtliche Seiten des Bildbandes plus Umschlagseite wurden grafisch selbst erstellt, um es wenigstens druck- und materialkostendeckend in den Handel geben zu können. Geld damit zu verdienen war auch nie unser Ziel, wir wollten einfach nur einen wunderbaren Bildband, ein kleines Lebenswerk von und für Nottuln erstellen, so die Autoren. Trotz der damit verbundenen umfangreichen zwei Jahre andauernden täglichen Arbeit hat die Gestaltung des Bildbandes den Autoren viel Freude bereitet. Außerdem haben sie viele Nottulnesen während der Recherchen näher kennengelernt und auch das waren Erlebnisse, die sie nicht missen möchten. Zwei Euro pro verkauftem Bildband spenden sie daher gerne an die Kinderkrebshilfe.

Verkauf 
Erhältlich ist der Bildband mit 304 Seiten und rund 380 Fotografien ab sofort in der Stiftsbuchhandlung Esplör in Nottuln, am Stiftsplatz 10, zu einem Verkaufspreis von 39 €. Dass die 1. und 2. Auflage schnell vergriffen war, zeigt, dass großes Interesse an dem Bildband besteht. Mittlerweile sind genügend Bildbände in der Stiftsbuchhandlung vorrätig. Darüber hinaus liegt dort ein Exemplar zur Ansicht aus. Schauen Sie einmal ganz unverbindlich rein, empfehlen die Autoren, Sie werden angenehm überrascht sein.

Kritiken
Mittlerweile haben die Autoren viele Kritiken bekommen, die eigentlich keine sind, denn sie waren alle überaus positiv, darüber haben die beiden sich sehr gefreut: "Fantastischer Bildband, ganz großes Kino, wunderbare Fotografien, sehr informative nicht zu lange Texte, nicht nur die Historie, sondern auch die Neuzeit erfasst und alles wunderbar grafisch dargestellt", bekamen sie zu hören. Über die Kritik eines außergewöhnlichen, gestalterisch tätigen, ausgezeichneten Künstlers, die sie Ihnen nicht vorenthalten möchten, haben die Autoren sich ganz besonders gefreut:

"Mit Begeisterung habe ich Ihr Buch mit seinen so vielschichtigen Sichtweisen auf Ihre Wahlheimat Nottuln und Umgebung vor mir liegen. Mir Bewunderung schaue ich auf Ihr Gemeinschaftswerk, das Ihnen in jeder Hinsicht vollkommen gut gelungen ist. Das Gesamtkonzept, wie Sie es im Nachwort vorstellen, ist der geniale und individuelle Schlüssel zu dieser menschlich leuchtenden Heimatchronik. Das Grafik Design, die Aufnahmen, das Licht, die Farbstimmungen, die Innen- und Außenräume strahlen eine Lebendigkeit und persönliche Nähe aus, die schlichtweg gut tut.
Sachlich ganz durchdrungen und dann auf die wesentlichen Punkte gebracht vermitteln Sie die Inhalte und gültige Perspektive auf das Leben, die Gewerke, die Natur, die Gesellschaft im Dialog und die vielfach positiven Entwicklungen in gleichzeitiger Reflektion auf das sich bewährte Fundament von Historie  und Tradition. Dieses Buch ist das Ergebnis einer beneidenswerten Lebensleistung, das von großer und breit gefächerter Lernfreude zeugt. Das Sie die hierfür nötigen Werkzeuge für Text, Satz, Grafik, Bildbearbeitung und Druck souverän handhaben, ist für mich als Gestalter außerordentlich bemerkenswert". 

Magnus Kleine-Tebbe (Akademischer Kunstbildhauer)

Abschließend wünscht das Autoren-Ehepaar allen Leserinnen und Lesern beim Betrachten und Lesen des Bildbandes eine angenehme, interessante Reise durch Nottuln, Schapdetten, Appelhülsen und Darup. Übrigens, Johann Wolfgang von Goethe war offensichtlich auch schon in Nottuln, wie Sie auf der letzten Seite des Bildbandes feststellen können.

Stand 15.01.2023

Der Weihnachtsbaum ...

... oder alles wird gut

Wie jedes Jahr zur Adventszeit stand ich auf der Terrasse und schaute unseren Weihnachtsbaum an. Seit zwanzig Jahren steht er dort und hat uns viel Freude bereitet. Kurz vor Weihnachten schmücken wir ihn mit elektrischen Kerzen. Dann strahlt er über die ganze Terrasse hinweg und leuchtet bis ins Wohnzimmer hinein. Eine schöne Koreatanne, die im Frühjahr ganz viele blaue Zapfen bekommt, herrlich anzuschauen im Kontrast zu den kräftig grünen Tannenzweigen. Jetzt war sie zu groß geworden, selbst die überlange Kerzenkette hatte letztes Weihnachten nicht mehr gereicht. Zudem drückten die starken Äste schon gegen das Glasdach.

Doch unseren Weihnachtsbaum einfach zu fällen, das fiel mir schwer. Gerne hätte ich es wieder einmal aufs nächste Jahr verschoben. Schließlich hatte er uns viele Jahre mit seiner Anwesenheit verwöhnt. Im Frühjahr leuchtete sein frisches Grün, im Sommer spendete er Schatten und schützte uns vor neugierigen Blicken, im Herbst hielt er den Wind ab und im Winter bot er Schutz vor Frost und Kälte. Aber nicht nur wir, sondern viele andere Erdbewohner wussten ihn zu schätzen. Die Finken fraßen im Winter bei bitterer Kälte die Samen aus den Zapfen. Und was herunterfiel, darüber freuten sich die Mäuse und schlugen sich ihrerseits die Bäuche voll. Auch die Buchfinken hatten einen Narren an der Tanne gefressen und bauten ihr Nest hinein. Das fröhliche Zwitschern und Zetern der Jungen, die putzmunter herausschauten, war auf der Terrasse deutlich zu hören.

Und jetzt, sollte er weg, dieser mächtige, wunderschön verzweigte Weihnachtsbaum? Am nächsten Morgen war es so weit. Schweren Herzens kappte ich die ausladenden Äste und dann die Spitze. Das Herz des Baumes, die Wurzel, sträubte sich vehement, bis sie sich ihrem Schicksal ergab. Glücklicherweise war es kurz vor Advent und meine liebe Frau Karin, flocht aus den Tannenzweigen drei wunderschöne Adventskränze. Einer zierte die Haustür, einer stand auf dem Esstisch und einen weiteren nahmen wir unserer Mutter in die Rehaklinik mit, die sich riesig darüber freute.

Die anderen voll benadelten Äste, eigentlich zu schade, um sie wegzuschmeißen, schichteten wir am Gartenzaun auf. Am nächsten Tag holte sie der Gärtner Thomas ab: „Die werden zu Ostern verbrannt“ meinte er lakonisch. So, dass war’s jetzt, dachte ich, dieses Kapitel ist nun endlich abgeschlossen. Noch schnell einen neuen kleinen Weihnachtsbaum eingepflanzt und Weihnachten kann kommen. Aber weit gefehlt, wie sich später herausstellte.

Es war Donnerstag, der 20. Dezember, ich saß gerade am Schreibtisch, als das Telefon klingelte. „Hier ist Thomas, grüß dich Jürgen, ein frohes Weihnachtsfest wollte ich dir und deiner Familie wünschen. Ach, übrigens, ich muss dir erzählen, was aus deinen Tannenzweigen geworden ist. Eigentlich hatte ich ja vor, sie zu verbrennen, aber dann plagte mich doch das schlechte Gewissen, schließlich haben solch edle Tannenzweige etwas Besseres verdient.“ „Und dann war er da, der gute Gedanke“, erzählte mir Thomas, „er heißt Herta! Ich kenne sie schon länger und weiß, dass sie sich immer wieder für gute Zwecke einsetzt - vielleicht konnte sie die Tannenzweige gebrauchen“, erzählte Thomas weiter. „Und wahrhaftig, schnell war sie Feuer und Flamme und ich brachte ihr die Tannenzweige vorbei.“ „Daraus können wir schöne Adventskränze flechten und sie für einen guten Zweck verkaufen“, hatte Herta begeistert gerufen.

So geschah es dann auch! Viele Adventskränze fanden ein schönes zu Hause und strahlten nun bis Weihnachten anheimelndes Kerzenlicht aus. Irgendwie war das für mich, aber auch für Thomas, ich merkte es selbst durchs Telefon, eine sehr bewegende Geschichte, die uns da widerfuhr. Thomas hatte auch einen dieser Adventskränze geschenkt bekommen und sich sehr darüber gefreut. „Seit Jahren wieder der erste“, verriet er mir glücklich. Und dass zum guten Schluss der Verkaufserlös der Aktion auch noch zu strahlenden Kindergesichtern führte, das ließ selbst uns die Augen feucht werden.

So hatte dieser Weihnachtsbaum etwas erreicht, was uns Menschen oft schwerfällt. Er hat den Menschen und anderen Erdbewohnern im Leben und selbst danach sehr viel Freude bereitet. So geschehen in Nottuln, zu Weihnachten 2007. 
Übrigens haben wir, wie bereits angemerkt, an gleicher Stelle einen neuen Weihnachtsbaum gepflanzt, der über die Jahre schon wieder eine stattliche Höhe erreicht hat. Auf einen eigenen Weihnachtsbaum in der Wohnung verzichten wir allerdings und stellen anstatt dessen seit vielen Jahren eine Pyramide auf. Das Grundgestell stammt aus der Behindertenwerkstatt in Bethel, die geschnitzten Figuren haben wir über viele Jahre hinweg auf Weihnachtsmärkten und in Münster erworben.

Auf dem Bild links unten ist "unsere" Mutter mit Mister Fips zu sehen, beide sind inzwischen leider verstorben. Wir hoffen, dass sie irgendwo dort oben wieder so herzlich vereint zusammensitzen und zufrieden auf uns herunterschauen - trotzdem, sie fehlen uns sehr ...

© Jürgen Gerhard, Nottuln im Dezember 2022

Wir, Karin und Jürgen Gerhard von der Redaktion und Sir Trusty, wünschen Ihnen und Ihrer Familie ein schöne Adventszeit und ein frohes, friedliches Weihnachtsfest

 

Antoni- und Martinibrüder feiern gemeinsames Schützenfest

Ein sonniges, wunderschönes Wochenende sollte es werden, so hatten es sich die Schützenbrüder und alle Nottulner gewünscht. Und diese Wünsche wurden im Himmel erhört: Petrus schaffte alle Voraussetzungen dafür - die Sonne lachte das ganze Wochenende vom Himmel herunter und sorgte für Kaiserwetter!
Und um den "Rest" kümmerte sich das hervorragende Nottulner Organisationteam der Antoni- und der Martinibruderschaft. Viele Hände schmückten den Ort und den Aufmarschweg zur Vogelstange und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Als am Samstag die erste Kutsche aus dem Dorf über den Buckenkamp zur Vogelstange rollte, winkten gleich acht Hände den am Straßenrand stehenden Zuschauern freundlich zu. Diese gehörten dem alten Kaiser Heinz-Otto Mannwald, dem Antoni-Direktor Michael Sendes, der gemeindlichen Obrigkeit, Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes und der kirchlichen Obrigkeit, Pfarrdechant Norbert Caßens.

Ein neuer Kaiser besteigt den Thron
Bereits um 16.40 Uhr, nach dem 135. Schuss, übergab an der Vogelstange der alte Kaiser Heinz-Otto Mannwald die Kaiserwürde der Antonibruderschaft an seinen Nachfolger Günter Küdde. Zwölfeinhalb Jahre wird nun der neue Kaiser mit seiner Mitregentin und Ehefrau Ingrid das kaiserliche Amt bekleiden. Unter dem Jubel der Antoni-, und der Martinibruderschaft, der Schützenvereine Appelhülsen, Schapdetten und Gemütlichkeit Stevern sowie der Magdalenenbruderschaft Darup ließen die Schützen sie fröhlich hochleben. 

Gleich zwei neue Königspaare
Die gute Stimmung setzte sich am Sonntag fort, als an der Vogelstange das doppelte Königsschießen begann. Bereits um 13.43 Uhr holte Antonibruder Ingo Jacob unter dem lauten Jubel der Schützenbrüder und Zuschauer mit einem gezielten Schuss den Vogel herunter. Mit seiner Mitregentin, der Königin Dorothee Kruse Jacob, freute er sich riesig über die Königswürde, die sie nun gemeinsam für mindestens ein Jahr ausüben dürfen. 

Nach 94 Schüssen war es dann auch für die Martinibruderschaft soweit, die dreijährige Amtszeit von Lars Hünteler und Alexandra Schulze Kalthoff hatte ein Ende. Der neue König der Martini-Bruderschaft Paul Enseling wurde schon an der Vogelstange ausgiebig gefeiert. Zur Seite steht ihm seine auserwählte Königin Celina Middendorf.
Im Anschluss der abendlichen Polonaise durch das Dorf wurde nach zwei Jahren koronabedingter Abstinenz besonders ausgiebig im Festzelt gefeiert. 

Mit der unten stehenden Bilder-Galerie können Sie das wunderbare Schützenfest noch einmal Revue passieren lassen, insbesondere diejenigen, die aus irgendwelchen, zum Beispiel gesundheitlichen Gründen nicht daran teilnehmen konnten. Wir wünschen Ihnen dabei viel Freude und bleiben oder werden Sie bitte gesund.

Karin und Jürgen Gerhard

Stand 15.06.2022

Der Jüdische Friedhof hat jetzt einen Namen

Wenn wir am jüdischen Friedhof vorbeikommen, schweift unser Blick über die Hecke zum schmiedeeisernen Eingangstor. Rechts und links daneben stehen gemauerte Pfeiler. Was sich dahinter verbirgt, erschließt sich einem nicht gleich, es sei denn, man geht in die dahinterliegende Wohnanlage und bekommt einen etwas höheren Standort. Ansonsten umschließt den Friedhof eine Hecke.

Im zeitigen Frühjahr des Jahres 2020 begannen wir einen Bildband über Nottuln zu schreiben und zu gestalten. Der jüdische Friedhof sollte dort ebenfalls einen Platz bekommen. Umso mehr wir uns damit beschäftigten, verfestigte sich unsere Idee, den jüdischen Friedhof in Nottuln, der übrigens seit 1990 unter Denkmalschutz steht, mit einer Bronzetafel auszustatten. Ein Jeder sollte erkennen, dass sich an diesem Ort bereits seit circa 1700 ein jüdischer Friedhof befindet.

Wir setzten uns mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe in Verbindung und bekamen dessen Befürwortung für das Projekt. Auch unserem Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, als Vertreter der Gemeinde Nottuln stellten wir unsere Idee mit eigener Kostenübernahme vor, er bedankte sich für unser Engagement. Nachdem alle zugestimmt hatten, entwarfen wir eine Grafik zur Bronzetafel und ließen diese in einer Kunstgießerei nach Begutachtung der Beteiligten gießen. Das Ergebnis gefiel allen sehr gut.

Mit Hilfe der Wasserwerker der Gemeinde Nottuln bekam die Bronzetafel im Dezember 2021 ihren Platz am Eingang des jüdischen Friedhofs. Die Aufschrift „Beth Hachajim“ ist hebräisch und bedeutet "Haus des Lebens". Wir fanden diesen Namen sehr passend, sind doch sonst mit einem Friedhof Begriffe wie Tod und Trauer verbunden. Im jüdischen Glauben spielt - wie auch im Christentum - die Auferstehung der Toten und damit der Friedhof eine gewichtige Rolle. Ein weiterer hebräischer Name hierfür »Beth Olam« Haus der Ewigkeit, deutet darauf hin, dass verstorbene Juden nach dem Verständnis der Gläubigen in ihren Gräbern ewige Ruherechte haben. 

Das Leben und Leiden der Juden in Nottuln...

Das tägliche Leben der Juden im Dorf Nottuln war auch vor der NS-Zeit nicht immer einfach, doch verstanden sie es, sich mit ihrer Arbeit in das übrige wirtschaftliche Umfeld zu integrieren. In der Regel waren sie als Kaufleute oder Händler tätig, so auch die beiden Familien Lippers und Gerson. Mit den Nachbarn lebten sie friedlich zusammen und waren in das dörfliche Leben eingebunden.

All das änderte sich 1933, als Adolf Hitler an die Macht kam. In Nottuln ernannte man ihn - wie auch in anderen Gemeinden - zum Ehrenbürger. Damit begann ein unerträglicher Leidensweg der Juden in Deutschland. Nach einem Beschluss des Gemeinderates durften sie bereits ab 1935 in Nottuln nicht mehr zuziehen oder Grundbesitz erwerben. Während des Novemberpogroms im Jahre 1938 schlugen einige Nottulner Bürger die Scheiben des Geschäftes der Familie Lippers ein, ohne Rücksicht auf anwesende Kinder zu nehmen. Später wurden die dort wohnenden Juden deportiert und in Konzentrationslagern barbarisch umgebracht. Da half selbst die vorherige Flucht nach Holland nicht, auch dort erreichte und verhaftete man sie. 

Jeder Stein hat sein eigenes Schicksal ...

Heute erinnern die Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig, der sie auf dem Fußweg vor dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus der Familie Lippers, am Stiftsplatz 4, im Jahre 2005 installiert hat, an die Opfer der NS-Zeit. 

Mittlerweile stehen circa 75.000 Stolpersteine in 1.265 deutschen Kommunen und 24 Staaten Europas. Somit handelt es sich wohl um das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Ein Mahnmal gegen das Vergessen und Wegschauen.

 

Artikel ergänzt am 15.02.2022

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