Antoni- und Martinibrüder feiern gemeinsames Schützenfest
Ein sonniges, wunderschönes Wochenende sollte es werden, so hatten es sich die Schützenbrüder und alle Nottulner gewünscht. Und diese Wünsche wurden im Himmel erhört: Petrus schaffte alle Voraussetzungen dafür - die Sonne lachte das ganze Wochenende vom Himmel herunter und sorgte für Kaiserwetter!
Und um den "Rest" kümmerte sich das hervorragende Nottulner Organisationteam der Antoni- und der Martinibruderschaft. Viele Hände schmückten den Ort und den Aufmarschweg zur Vogelstange und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Als am Samstag die erste Kutsche aus dem Dorf über den Buckenkamp zur Vogelstange rollte, winkten gleich acht Hände den am Straßenrand stehenden Zuschauern freundlich zu. Diese gehörten dem alten Kaiser Heinz-Otto Mannwald, dem Antoni-Direktor Michael Sendes, der gemeindlichen Obrigkeit, Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes und der kirchlichen Obrigkeit, Pfarrdechant Norbert Caßens.
Ein neuer Kaiser besteigt den Thron
Bereits um 16.40 Uhr, nach dem 135. Schuss, übergab an der Vogelstange der alte Kaiser Heinz-Otto Mannwald die Kaiserwürde der Antonibruderschaft an seinen Nachfolger Günter Küdde. Zwölfeinhalb Jahre wird nun der neue Kaiser mit seiner Mitregentin und Ehefrau Ingrid das kaiserliche Amt bekleiden. Unter dem Jubel der Antoni-, und der Martinibruderschaft, der Schützenvereine Appelhülsen, Schapdetten und Gemütlichkeit Stevern sowie der Magdalenenbruderschaft Darup ließen die Schützen sie fröhlich hochleben.
Gleich zwei neue Königspaare
Die gute Stimmung setzte sich am Sonntag fort, als an der Vogelstange das doppelte Königsschießen begann. Bereits um 13.43 Uhr holte Antonibruder Ingo Jacob unter dem lauten Jubel der Schützenbrüder und Zuschauer mit einem gezielten Schuss den Vogel herunter. Mit seiner Mitregentin, der Königin Dorothee Kruse Jacob, freute er sich riesig über die Königswürde, die sie nun gemeinsam für mindestens ein Jahr ausüben dürfen.
Nach 94 Schüssen war es dann auch für die Martinibruderschaft soweit, die dreijährige Amtszeit von Lars Hünteler und Alexandra Schulze Kalthoff hatte ein Ende. Der neue König der Martini-Bruderschaft Paul Enseling wurde schon an der Vogelstange ausgiebig gefeiert. Zur Seite steht ihm seine auserwählte Königin Celina Middendorf.
Im Anschluss der abendlichen Polonaise durch das Dorf wurde nach zwei Jahren koronabedingter Abstinenz besonders ausgiebig im Festzelt gefeiert.
Mit der unten stehenden Bilder-Galerie können Sie das wunderbare Schützenfest noch einmal Revue passieren lassen, insbesondere diejenigen, die aus irgendwelchen, zum Beispiel gesundheitlichen Gründen nicht daran teilnehmen konnten. Wir wünschen Ihnen dabei viel Freude und bleiben oder werden Sie bitte gesund.
Karin und Jürgen Gerhard
Stand 15.06.2022
Der Jüdische Friedhof hat jetzt einen Namen
Wenn wir am jüdischen Friedhof vorbeikommen, schweift unser Blick über die Hecke zum schmiedeeisernen Eingangstor. Rechts und links daneben stehen gemauerte Pfeiler. Was sich dahinter verbirgt, erschließt sich einem nicht gleich, es sei denn, man geht in die dahinterliegende Wohnanlage und bekommt einen etwas höheren Standort. Ansonsten umschließt den Friedhof eine Hecke.
Im zeitigen Frühjahr des Jahres 2020 begannen wir, einen Bildband über Nottuln zu schreiben und zu gestalten. Der jüdische Friedhof sollte dort ebenfalls einen Platz bekommen. Je mehr wir uns damit beschäftigten, verfestigte sich unsere Idee, den jüdischen Friedhof in Nottuln, der übrigens seit 1990 unter Denkmalschutz steht, mit einer Bronzetafel auszustatten. Ein jeder sollte erkennen, dass sich an diesem Ort bereits seit circa 1700 ein jüdischer Friedhof befindet.
Wir setzten uns mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe in Verbindung und bekamen dessen Befürwortung für das Projekt. Auch unserem Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, als Vertreter der Gemeinde Nottuln, stellten wir unsere Idee mit eigener Kostenübernahme vor - er bedankte sich für unser Engagement. Nachdem alle zugestimmt hatten, entwarfen wir eine Grafik zur Bronzetafel und ließen diese in einer Kunstgießerei nach Begutachtung der Beteiligten gießen. Das Ergebnis gefiel allen sehr gut.
Mithilfe der Wasserwerker der Gemeinde Nottuln bekam die Bronzetafel im Dezember 2021 ihren Platz am Eingang des jüdischen Friedhofs. Die Aufschrift „Beth Hachajim“ ist hebräisch und bedeutet "Haus des Lebens". Wir fanden diesen Namen sehr passend, sind doch sonst mit einem Friedhof Begriffe wie Tod und Trauer verbunden. Im jüdischen Glauben spielt - wie auch im Christentum - die Auferstehung der Toten und damit der Friedhof eine gewichtige Rolle. Ein weiterer hebräischer Name hierfür, »Beth Olam« (Haus der Ewigkeit), deutet darauf hin, dass verstorbene Juden nach dem Verständnis der Gläubigen in ihren Gräbern ewige Ruherechte haben.
Das Leben und Leiden der Juden in Nottuln...
Das tägliche Leben der Juden im Dorf Nottuln war auch vor der NS-Zeit nicht immer einfach, doch verstanden sie es, sich mit ihrer Arbeit in das übrige wirtschaftliche Umfeld zu integrieren. In der Regel waren sie als Kaufleute oder Händler tätig, so auch die beiden Familien Lippers und Gerson. Mit den Nachbarn lebten sie friedlich zusammen und waren in das dörfliche Leben eingebunden.
All das änderte sich 1933, als Adolf Hitler an die Macht kam. In Nottuln ernannte man ihn, wie auch in anderen Gemeinden, zum Ehrenbürger. Damit begann ein unerträglicher Leidensweg der Juden in Deutschland. Nach einem Beschluss des Gemeinderates durften sie bereits ab 1935 in Nottuln nicht mehr zuziehen oder Grundbesitz erwerben. Während des Novemberpogroms im Jahre 1938 schlugen einige Nottulner Bürger die Scheiben des Geschäftes der Familie Lippers ein, ohne Rücksicht auf anwesende Kinder zu nehmen. Später wurden die dort wohnenden Juden deportiert und in Konzentrationslagern barbarisch umgebracht. Da half selbst die vorherige Flucht nach Holland nicht, auch dort erreichte und verhaftete man sie.
Jeder Stein hat sein eigenes Schicksal ...
Heute erinnern die Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig, der sie auf dem Fußweg vor dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus der Familie Lippers, am Stiftsplatz 4, im Jahre 2005 installiert hat, an die Opfer der NS-Zeit.
Mittlerweile liegen circa 116.000 STOLPERSTEINE in über 1860 Kommunen in 31 europäischen Ländern, die meisten davon in Deutschland. Somit handelt es sich um das größte dezentrale Mahnmal der Welt.
Ein Mahnmal gegen das Vergessen und Wegschauen.
Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard
Artikel ergänzt am 15.02.2022
Artikel aktualisiert am 30.6.2026

