Blickpunkt Nottuln
12.06.2024
Blickpunkt Nottuln
Diese sechs prachtvollen Eiben flankieren seit 1974 die Eingänge der drei berühmten barocken Stiftskurien auf dem Stiftsplatz gegenüber von St. Martinus
Blickpunkt Nottuln
Vor der Aschebergschen Kurie präsentieren sich diese zwei Prachtexemplare der Gattung Taxus bacatta und rahmen die Bronzestatue von Johann Conrad Schlaun. Zudem bilden sie mit ihren dunkelgrünen Nadeln einen bemerkenswerten Kontrast zu den hellgrün belaubten Linden uns sind hier als einzige Bäume auch im Winter grün
Blickpunkt Nottuln
Die Nottulner Bürger haben nicht nur die Kurien, sondern auch ihre Wächter - die prachtvollen einheimischen Eiben - im Auge, die seit einem halben Jahrhundert den historischen Orstkern zusammen mit Ihnen prägen
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Auch auf dieser Fotografie wird noch einmal deutlich, wie fantastisch diese pyramidalen Eiben im Zusammenhang mit den Kurien, bzw. mit der Alten Amtmannei wirken
Blickpunkt Nottuln
Es ist unfassbar, das solche über 50-Jahre im Verbund stehende Einheiten zerstört werden sollen. Selbst in den Abendstunden wissen die Heimischen Eiben im Verbund mit der "Reckschen Kurie" zu beeindrucken

Die Kurien-Wächter von Nottuln - Teil 1 -

Droht den heimischen, pyramidalen Eiben im historischen Ortskern der Tod?

Sechs pyramidale, heimische Eiben flankieren als Wächter die Eingänge der drei direkt nebeneinander stehenden historischen Stiftskurien und prägen nunmehr seit einem halben Jahrhundert den Historischen Ortskern von Nottuln. Zwei weitere dieser magischen Bäume stehen vor der Kurie von Ascheberg zu Venne und gar fünf prachtvolle Eiben rahmen auf dem Joseph-Moehlen-Platz 1 die Alte Amtmannei ein.
Gepflanzt wurden sie unter der Behördenleitung von Gemeindedirektor Joseph Moehlen, dem wir die Erhaltung und Restaurierung des gesamten historischen Ortskerns zu verdanken haben. Dort stehen sie nun seit einem halben Jahrhundert und sind unter der Pflege von Mitarbeitern des Bauhofes zu prächtigen Exemplaren ihrer immer seltener werdenden Gattung herangewachsen. Auch heute noch strotzen diese prachtvollen Geschöpfe vor Gesundheit. Sie haben den vielseitigen und starken Belastungen durch die intensive Nutzung des Stiftplatzes (Wochenmarkt und viele diverse Veranstaltungen) sehr gut standgehalten - dafür ist die heimische Eibe bekannt.

Eiben sind geschichtsträchtige Bäume
Doch nicht nur in Nottuln ist die Taxus baccata zu finden, denn sie ist die alleinige europäische Art ihrer Gattung und seit 150 Millionen Jahren ein wertvoller Teil unserer Geschichte. Aufgrund ihrer einzigartigen Charakteristik wurde sie bereits von den Ägyptern, Römern und Germanen hoch geschätzt.
Vom Barock bis hin zur Renaissance wurden sie in Städten und Schlössern gepflanzt und zeugen noch heute von ihrer historischen Geschichte, gerade im Münsterland - auch wenn der Bürgermeister von Nottuln, Dr. Dietmar Thönnes, in der Ratssitzung behauptete, dass die heimischen Eiben an den Kurieneingängen nicht historisch sind, obwohl diese prachtvollen Exemplare seit einem halben Jahrhundert den Ortskern prägen.
Insbesondere bei vielen Bauwerken aus der Barockzeit von Johann Conrad Schlaun sind sie, wie auch in Nottuln, sinnvollerweise im direkten Umfeld platziert. Aufgrund ihrer sehr guten Schnittverträglichkeit reichen die Gestaltungsmöglichkeiten im Formschnitt von geometrischen bis hin zu figürlichen Gestalten und erfreuen bei ihrem Anblick die Einheimischen und Touristen mit ihrer Eleganz.

Eiben stehen auf der Liste der gefährdeten Arten
Da sie in Deutschland auf der Liste der gefährdeten Arten stehen sind die heimischen Eiben bei Ihrer Anpflanzung zu fördern. Bereits gepflanzte und alte Exemplare dieser immer seltener werdenden Art sind auf jeden Fall zu erhalten. Übrigens hat die Taxus baccata, auch Heimische Eibe oder Europäische Eibe genannt, bereits 1994 in Deutschland und 2013 in Österreich die Auszeichnung als Baum des Jahres erhalten. Im Übrigen gehört die Eibe in allen europäischen Ländern zu den geschützten Pflanzenarten.

Eiben sind ökologisch wertvoll
Doch ist die heimische Eibe nicht nur was fürs Auge, denn aufgrund ihrer Vieltriebigkeit ist sie sehr blickdicht und dient somit vielen Vögeln als Brut- und Nistplatz und und als immergrüner Baum das ganze Jahr über als Rückzugsort. Zudem ist die einheimische Pflanze bei herbstlicher Beerenreife mit den für alle Eiben typisch roten, becherartigen leuchtenden Scheinbeeren eine stets willkommene Nahrungsquelle für viele Vogelarten, wie Kernbeißer, Kleiber, Drosseln und Amseln. Die Blüten der männlichen Eiben werden gerne von Insekten angeflogen.

Ein wertvoller Schatz mitten im Historischen Ortskern
Insofern kann sich die Gemeinde Nottuln glücklich schätzen, so prachtvolle, ökologisch wertvolle Exemplare dieser seltenen Art mitten im Ortskern und dann auch noch in der wundervollen Verbindung mit den barocken Kurien haben zu dürfen.
Diese Raritäten, denen früher sogar ewiges Leben angedichtet wurde, sind es wirklich wert erhalten zu werden, denn sie können tatsächlich über tausend Jahre alt werden. Ein wertvoller Schatz, mitten im historischen Ortskern von Nottuln und in dieser Konstellation seit 50 Jahren als Wächter an den Eingängen der Kurien zu finden, das ist wohl einmalig im Münsterland.
Deshalb hat unsere Redaktion diesen Artikel als Link dem Denkmalschutz des Landwirtschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) in Münster übersandt, denn diese Eiben sind in Verbindung mit den unter Denkmalschutz stehenden Kurien nicht nur für uns untrennbar miteinander verbunden.

Hintergrund:
Die Herausgabe dieses Artikels hat natürlich einen Hintergrund. Kürzlich wandten sich besorgte Bürgerinnen und Bürgerinnen und Bürger an die Redaktion des NB und bezogen sich auf unseren bisherigen Einsatz für den Denkmal- und den Naturschutz. Ihren Angaben zufolge gibt es einen Ratsbeschluss vom 19.3.2024 zur Beantragung von Fördermitteln, unter anderem zur Stiftsplatzumgestaltung (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/to0050.php?__ktonr=33354).

Projektunterlagen nicht vollständig
In den zugrunde liegenden, von der Gemeinde verfassten Projektunterlagen, werden auf Seite 4 unter der Beschreibung des Istzustandes des Stiftplatzes, die sechs prachtvollen, heimischen 50-Jahre alten Eiben nicht einmal aufgeführt, als ob sie nicht existent seien. Auf der Seite 10 wird anschließend auf dem Projektplan zeichnerisch dargestellt, dass an den Standorten (wo jetzt die nicht genannten Eiben stehen) spärliche Spalier-Linden gepflanzt werden sollen. In der regionalen Presse soll bisher dieser Projektplan nicht veröffentlicht worden sein und eine öffentlichkeitswirksame Aufklärung über das Vorhaben "Stiftsplatz" soll es leider ebenfalls nicht gegeben haben - so die Stimmen der Bürgerinnen und Bürger.
Die Fotodokumentation auf der Seite 6 gibt übrigens die tasächliche Istsituation des Stiftplatzes nur ungenügend wieder, die Fotos sind teilweise unterbelichtet. Deshalb haben wir eigens erstellte, klare und übersichtliche Fotografien unserem Artikel beigefügt.

Das legt alles die Vermutung nahe, dass es auch in der Öffentlichkeit gar nicht so zum Ausdruck gebracht werden soll, denn:

1. Diese Pläne bilden wahrscheinlich auch die Grundlage des Antrages auf Fördermittel. Und wenn das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr erfahren würde, dass für die Neugestaltung des Stiftsplatzes an den Kurieneingängen die Prachtexemplare der Europäischen Eibe gefällt werden sollen, die wie bereits gesagt unter Naturschutz stehen und in der Roten Liste von Deutschland als "Gefährdet" eingestuft sind, würde für diesen Bereich der Antrag wohl kaum positiv entschieden werden.

2. Die Gemeindeverwaltung hat es schon einmal mit den Bürgerinnen und Bürgern richtig zu tun bekommen, als sie die Platanen auf der Stiftsstraße fällen wollte und befürchtet wohl - und dieses zurecht -, dass es ihr wieder so ergehen würde. Dank dieses bürgerlichen Einsatzes stehen die Platanen übrigens heute noch!

Berichterstattung in der Öffentlichkeit notwendig
Aufgrund des bisher Erfahrenen und Geschilderten können wir uns des Eindruckes nicht erwehren, dass sich, wie auch schon von bürgerlicher Seite angeführt, die örtliche Presse in ihrer Berichterstattung wohl diesbezüglich etwas bedeckt hält. Unsere Redaktion hält es daher für notwendig, diesen Artikel insbesondere für die Nottulner Bürgerinnen und Bürger in den Nottulner Blickpunkt einzustellen und somit der Öffentlichkeit zugängig zu machen. Unterschiedliche Sichtweisen sind übrigens die Grundlage jeder Demokratie, und Fakten sprechen natürlich immer für sich.

Initiativen zur Erhaltung der Eiben wichtig
Wir hoffen nun, dass sich jetzt zahlreiche Bürgerinnen und Bürger und natürlich auch Politikerinnen und Politiker sowie auch öffentliche und private Institutionen finden, die sich für den Erhalt aller heimischen Eiben im historischen Ortskern einsetzen. Sinnvoll ist es auch, sich möglichst direkt schriftlich per E-Mail an den Bürgermeister Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder an die Gemeindeverwaltung Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu wenden.

Aktualisiert am 13.4.2024 um 23:00 Uhr

Mit besten Grüßen und bleiben Sie gesund

Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard

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