Blickpunkt Nottuln
12.06.2024
Blickpunkt Nottuln
Jetzt sollen sie weg, die hochwertigen und nachhaltigen Eichenstühle aus dem Festsaal der Alten Amtmannei, das hat der Haupt- und Finanzausschuss beschlossen. Mit Nachhaltigkeit und Sparsamkeit hat das nichts mehr zu tun
Blickpunkt Nottuln
Mit welchem Recht verweigert die Gemeindeverwaltung eigentlich seit Jahren und voraussichtlich bis 2030 den behinderten, beziehungsweise bewegungseingeschränkten Menschen die Teilnahme an den vielen Veranstaltungen und Festivitäten im Festsaal der Alten Amtmannei, einem öffentlichen Gebäude?

Mit Nachhaltigkeit und Sparsamkeit hat das nichts mehr zu tun

Beschluss des Haupt- und Finanzausschusses ohne dringlichen Bedarf

Das Jammern geht weiter: Jetzt wird plötzlich durch die harte Stuhlkante die Blutzufuhr in die Beine gestoppt oder die Bandscheiben protestieren, so in den Westfälischen Nachrichten nachzulesen.
Das ist ja wirklich ein dringliches Problem, was die Gemeindeverwaltung mit der Bestuhlung im Ratssaal hat. Sieht man sich die Fakten an, kommt man allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis, denn der Gemeinderat tagt in der Regel nur rund 6 mal im Jahr und davon ungefähr nur 3  mal im Ratssaal. Das macht bei einer Sitzungszeit von jewels 3 Stunden insgesamt nur 9 Stunden jährlich aus.
Ansonsten fanden die Sitzungen im Foyer des Rupert-Neudeck-Gymnasiums oder in den anderen Ortsteilen, zum Beispiel in der Hofanlage Schulze- Frenking in Appelhülsen statt, übrigens alles gemeindeeigene Gebäude. Ähnliches gilt für die Ausschüsse.

Kosten möglichst gering halten ?
Und damit die Kosten möglichst gering gehalten werden, soll die wesentlich umfangreichere Bestuhlung in der Alten Amtmannei gleich mit ausgetauscht werden, obwohl sie noch größtenteils in Ordnung ist. Das ist eigentlich die Logik, die täglich in der billigen Werbung auftaucht und dem Kunden weismachen will, dass er etwas kaufen soll, obwohl er eigentlich kein Geld dafür übrig hat und es auch nicht unbedingt braucht. Das Ganze wird noch gemäß dem Motto getoppt: "Kauf gleich zwei oder noch viel mehr, umso billiger wird das einzelne Exemplar!" Offensichtlich funktioniert das immer noch.

Gerade am Haushaltssicherungskonzept vorbei geschrappt
Kurz vorher hat die Gemeindeverwaltung den Nottulner Bürgern noch klargemacht, dass die Gemeinde ins Haushaltssicherungskonzept fällt, wenn die Grundsteuern nicht extrem angehoben werden. Und kaum ist die Grundsteuer für die Eigenheimbesitzer um sage und schreibe 17 % angehoben worden, soll das von den Bürgern eingenommene Geld schon wieder mit vollen Händen von der Gemeinde ausgegeben werden: 125.000 Euro sind für die Bestuhlung und Tische vorgesehen (wir berichteten). Unter einem Haushaltssicherungskonzept wäre diese Ausgabe sicherlich ersatzlos gestrichen worden, und zurecht, denn hier besteht kein dringlicher Bedarf.

Behindertenaufzug in der Alten Amtmannei ist dringlicher Bedarf
Hingegen besteht bei der Einrichtung eines Behindertenaufzuges in der Alten Amtmannei dringlicher Bedarf, doch der ist nicht einmal im Arbeitspapier Nottuln 2030 der Gemeindeverwaltung vorgesehen. (siehe auch Seite 27 unter: https://www.nottuln.de/fileadmin/media/PDF/Fachbereich_0/Nottuln_2030/Nottuln_2030_1.2.pdf .
Hier wäre das Geld wesentlich sinnvoller angelegt. Vor diesem Hintergrund wirkt die jetzige Handlungsweise der Gemeindeverwaltung zumindest unerklärlich, wenn nicht arrogant. Mit welchem Recht verweigert sie eigentlich seit Jahren und voraussichtlich bis 2030 den behinderten, beziehungsweise bewegungseingeschränkten Menschen die Teilnahme an den vielen Veranstaltungen und Festivitäten im Festsaal der Alten Amtmannei, einem öffentlichen Gebäude?

Seit Jahrzehnten ist es das Kulturzentrum von Nottuln, mitten im historischen Ortskern, auf dem Joseph-Moehlen-Platz 1, ganz offensichtlich nicht für alle Bürgerinnen und Bürger!

Mit besten Grüßen

Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard