Eine kleine Geschichte, erlebt an einem münsterländischen Wasserschloss
In oder besser gesagt an einem Münsterländer Wasserschloss ist wieder der alte Landadel eingekehrt. Seit bereits sieben Jahren sitzt Cordula vom Schlosspark am Wegesrand und begrüßt die Besucher auf ihre unnachahmliche Art und Weise. Sie sitzt einfach nur würdevoll da, schaut sie erst prüfend, aber dann doch vertrauensvoll an und schweigt: eben alter westfälischer Landadel.
Selbst Sir Trusty, unser Jack-Russell-Terrier, brachte sie nicht aus der Fassung, lediglich ein leises Fauchen war zu hören. Überhaupt gingen einige Damen und Herren mit ihren Hunden an ihr vorbei, die aber jegliche Aggression vermissen ließen - man kannte sich offensichtlich.
Ein kleines blondes Mädchen streichelte vorsichtig die hübsche Ente, die man aufgrund ihrer Größe durchaus für eine Gans halten konnte. Auch sie kannten sich seit Jahren, wie uns die Kleine verriet. „Und manchmal bringe ich ihr was zum Futtern mit“, fügte sie lächelnd hinzu.
Ein älteres Ehepaar, dem Cordula schon oft begegnet war, erzählte uns: „Die ist irgendwo ausgebüxt, aber hier einfach nicht mehr wegzudenken, sie gehört jetzt zum Schloss!“
Das Gefühl hatten wir auch, als wir auf dem Rückweg wieder an Cordula vorbei mussten. Wie am Boden festgeklebt saß sie im grünen Frühlingsgras am Wegesrand und schaute uns mit ihren eindrucksvollen Augen zum Abschied noch einmal vertrauensvoll an. Offensichtlich genießt sie täglich den Umgang mit all diesen Menschen, groß und klein, jung und alt.
Es war auch für uns eine wunderbare Begegnung mit einer außergewöhnlichen Ente, einer kleinen Persönlichkeit, an einem sonnigen Frühlingstag im Park eines Münsterländer Wasserschlosses. Wir wünschen Cordula noch viele dieser eindrucksvollen, friedlichen Erlebnisse. Offensichtlich tut es beiden Seiten richtig gut, so soll und darf es bleiben!
Mit besten Grüßen
Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard


