Der "Übeltäter" wurde endlich gesichtet ...
Schon seit Wochen treibt der große Kerl wieder sein "Unwesen" im Nonnenbachtal: Formidable Erdhügel zeugen davon! Oft und lange habe ich auf der Lauer gelegen. Doch erst heute Morgen hatte ich das große Glück, ihn zu erwischen, obwohl er versuchte, sich hinter einem großen Erdhügel zu verstecken. Es ist wahrhaftig ein Prachtkerl, ein Königsmaulwurf eben, allerdings mit seltsam großen Ohren. In der Fachliteratur war nichts über diese seltsame Gattung zu erfahren, so tief ich auch recherchierte.
Der Versuch, mit dem braunen Kerlchen mehr Tuchfühlung aufzunehmen, schlug fehl, blitzartig flüchtete er. Noch nie habe ich einen Maulwurf so schnell laufen sehen. Schon ein seltenes Exemplar, hat nicht nur lange Ohren, sondern auch noch lange Beine. Vielleicht handelt es sich ja um einen Neozoen beziehungsweise Neophyten.
Wir werden das quirlige Kerlchen im Auge behalten, schließlich sind Maulwürfe wahrhaftig keine Übeltäter oder treiben ihr Unwesen, sondern sind äußerst nützlich und unentbehrlich für das Ökosystem und den Artenschutz, denn:
Sie sind Bodenverbesserer, indem sie den Boden belüften und lockern, was das Pflanzenwachstum fördert.
Sie sind Schädlingsbekämpfer, denn ein Maulwurf frisst täglich etwa die Hälfte seines Körpergewichts, darunter Engerlinge (Larven von Maikäfern), Schnakenlarven, Schnecken und andere Schädlinge, die Pflanzenwurzeln angreifen.
Sie vertreiben Kleinsäuger, wie Wühlmäuse aus ihrem Revier.
Sie hinterlassen wertvolle Erde, denn der Aushub der Maulwurfshügel ist nährstoffreich und unkrautfrei. Diese Erde eignet sich gut als Pflanz- oder Anzuchterde (Darf aber aus einem Naturschutzgebiet nicht entnommen werden).
Und ganz wichtig: Sie fördern die Artenvielfalt, denn ihre unterirdischen Gänge bieten Schutz und Lebensraum für andere Tiere wie Wildbienen, Erdkröten und Regenwürmer.
Diese Pfundskerle sind also unentbehrlich für unser Ökosystem und die Artenvielfalt!
Da kann man nur hoffen, dass die Gemeinde Nottuln, als Eigentümer dieser Wiesen im Naturschutzgebiet Nonnenbachtal, dafür Sorge trägt, dass der Landwirt, der hier die Mahd vollzieht, nicht alles plattwalzt, das ist nicht zulässig!
Und das aus gutem Grunde, denn die Erdhügel sind überlebenswichtig für die geschützten Maulwürfe. Sie dienen dazu, Frischluft in das unterirdische Gangsystem zu leiten. Maulwürfe benötigen unbedingt den darin enthaltenen Sauerstoff. Werden die Löcher unter den Hügeln verschlossen, kann der Maulwurf ersticken.
Maulwürfe sind übrigens nach der Bundesartenschutzverordnung und dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Es ist verboten, die Tiere zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Nester und Lebensstätten (Gänge) zu beschädigen. Hügel sind Teil des Gangsystems und dienen, wie bereits angeführt, der Belüftung des Gangsystems. Das Zerstören der Hügel (Plattwalzen) wird als Beschädigung der Lebensstätte gewertet. Verstöße hiergegen werden als Ordnungswidrigkeit mit empfindlichen Bußgeldern geahndet, insbesondere dann, wenn der Verstoß in einem Naturschutzgebiet stattfindet.
Und wenn Sie als Naturfreundin oder Naturfreund im Naturschutzgebiet Nonnenbachtal spazieren gehen, dann halten Sie Ausschau: Vielleicht begegnen ja auch Sie diesem großartigen, quirligen Königsmaulwurf. Er ist schon bemerkenswert, denn er verschwindet nicht wie üblich über den Maulwurfshügel in sein unterirdisches Gangsystem, sondern gibt Hackengas und sucht das Weite. Und wenn Sie ganz genau hinschauen, werden Sie vielleicht auch erkennen, um wen es sich hier wirklich handelt, oder?
Mit besten Grüßen
Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard


